Schlagwort-Archive: Trump

Digitale Agenda kw44 / 2017

 

Russische Einmischung

Das volle Ausmaß der russischen Einmischung in den US-Wahlkampf ist erst diese Woche klar geworden, durch die Anhörung von Facebook, Twitter und Google im US-Kongress (Süddeutsche). Rund 3.000 Anzeigen und 80.000 Facebook-Posts sollten nicht etwa für Trump werben, sondern die Gesellschaft spalten (Zeit).

Social Media als ideale Propaganda-Plattform: Die russischen Anzeigen und Posts erreichten 146 Millionen Menschen – für nicht mal 150.000 Dollar (Zeit). Warum das US-Publikum so offen für die Beeinflussung über Social Media ist, beleuchtet ein lesenswerter Artikel im US-Magazin New Yorker.

Ihr Einfluss Russlands auf den Wahlausgang dürfte sich allerdings in Grenzen halten.Immerhin gaben Clinton und Trump zusammen insgesamt 81 Millionen allein für Facebook-Anzeigen aus (TechCrunch).

 

Digitale Welt

Der europäische Daten-Schutzschild hat Löcher. Privacy Shield, der Nachfolger des vom EuGH gekippten Safe Harbor-Abkommens, soll die Daten europäischer Staatsbürger vor US-Geheimdiensten schützen, doch Zweifel daran sind mehr als berechtigt (Spiegel, silicon.de).

eGovernment lässt in Deutschland zu wünschen übrig, finden die Autoren der Studie eGovernment Monitor. Fortschritte gibt es kaum, die Nutzung der digitalen Verwaltung in Deutschland sich verschlechtert, die Bürger sind unzufrieden.

Wikipedia muss renoviert werden. Schon länger kämpft die Online-Enzyklopädie mit Autorenschwund und starren Strukturen. Ein erster Plan wurde jetzt von der Wikimedia Foundation vorgestellt (Netzpolitik.org).

Populäre iPhone-Apps gefährden ihre Nutzer, hat ein Hamburger IT-Spezialist herausgefunden. 111 der 200 beliebtesten Apps umgehen Apples Richtlinien – mit Wissen von Apple (Zeit).

Wie drei Tech-Konzerne das Web dominieren und dadurch seine Existenz gefährden, erklärt der Software-Entwickler André Staltz in einem lesenswerten Artikel mit dem Titel The Web began dying in 2014, here’s how (Zusammenfassung auf Netzpolitik.org).

WhatsApp hat jetzt eine Löschfunktion. Nachrichten lassen sich in den ersten sieben Minuten nach ihrem Abschicken zurückziehen, inklusive Bildern oder Videos (Süddeutsche).

 

Zu guter Letzt …

Donald Trump ohne Twitter – für (leider nur) 11 Minuten war das gestern Abend tatsächlich der Fall. Ein scheidender Twitter-Angestellter hat an seinem letzten Arbeitstag den privaten Account des US-Präsidenten (41,7 Millionen Follower) offline gestellt. Ein Twitter-User kommentierte: „We can be heroes, just for one day“ (Zeit).

Digitale Agenda kw22 / 2017

 

Ausstieg aus Paris 

Silicon Valley steht vereint gegen Trump. In einem offenen Brief in mehreren US-Zeitungen hatten sich Apple, Google, Facebook, Microsoft und andere im Vorfeld schon von einem möglichen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen distanziert.

Jetzt twitterten die Firmenbosse ihre Enttäuschung über Trumps Entscheidung. Tesla-Chef Elon Musk steigt außerdem aus Trumps Technologie-Beirat aus (Wirtschaftswoche).

Alle Technologiekonzerne, die den Brief unterzeichnet haben, wollen in absehbarer Zeit die gesamte Energie für den Betrieb ihrer Rechenzentren aus erneuerbaren Quellen beziehen (Greenpeace).

        

Digitale Welt

EU bereitet Milliardenstrafe gegen Google vor. Die EU-Wettbewerbshüter wollen offenbar noch vor der Sommerpause Google dafür bestrafen, dass es Wettbewerber im Bereich Shopping benachteiligt hat (FAZ).

Apple zahlt in Deutschland nur 23 Millionen an Steuern. Das ist immerhin zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Als internationaler Konzern konnte Apple jedoch seine Steuerpolitik in der EU sehr effektiv „gestalten“ (FAZ).

Googles neues Smartphone-Betriebssystem heißt Fuchsia und hat rein gar nichts mit Android zu tun. Was Google genau damit vorhat, bleibt vorerst sein Geheimnis (Süddeutsche).

Was die EU dieses Jahr für die Privatsphäre tun kann, erläutert Netzpolitik.org. Die ePrivacy-Verordnung soll bald verabschiedet werden – und davon hängt sehr viel in Sachen Datenschutz ab.

Wie angreifbar Banken übers Internet sind, erkundet ein Artikel in der Süddeutschen. Um ihre Verteidigung zu verbessern, bezahlen Banken sogar Hacker für „Testangriffe“.

Was taugen Versicherungen gegen Hacker? Die Nachfrage steigt und ARAG, Ergo, DEVK & Co. haben auch für Privatleute einiges im Programm. Eine erste Orientierungshilfe liefert die Süddeutsche.

Haben Eltern Zugang zum Facebook-Konto ihres toten Kindes? Nein, entschied das Berliner Kammergericht diese Woche. Das Recht der elterlichen Sorge erlischt mit dem Tod (Zeit). Daten zu erben ist sehr kompliziert.

   

Lesenswerte Kolumnen

Die „informierte Einwilligung“ ist eine Datenschutz-Attrappe, schreiben Jeannette Hofmann und Benjamin Bergemann auf Netzpolitik.org. Hat man als Nutzer wirklich eine Wahl, als auf „Akzeptieren“ zu klicken?

Unsere Sicherheit ist eine einzige Inszenierung, schreibt Sascha Lobo im Spiegel. Alle Attentäter islamistischer Anschläge in Europa in den letzten drei Jahren waren den Behörden als gewaltbereite Islamisten bekannt.

Können Chatbots trösten? Praxistests haben ergeben, dass in Krisensituationen wie Trennung oder dem Tod eines geliebten Menschen Chatbots gute Dienste leisten könnten, schreibt der Psychiater Dr. Jan Kalbitzer in der Zeit.

Digitale Agenda kw50

 

Besuch bei Trump 

Trump rief und die Tech-Bosse kamen letzten Mittwoch zu seinem Trump Tower nach New York. So sehr sie im Wahlkampf seine Rivalin unterstützt hatten, als Vorstände von Aktiengesellschaften hatten die Chefs von Microsoft, Apple, Google, Amazon und anderen keine andere Wahl (Welt.de).

‚Es war ein öffentlich gezeigter Waffenstillstand‘, kolportierte eine vertrauliche Quelle dem US-Magazin Recode. Zwar wurden die Tech-Bosse nicht zusammengestaucht wie neulich die Vertreter der Medien;eine Vergnügungsfahrt war’s trotzdem nicht, wie einige Bilder zeigen (Buzzfeed).

Was will Trump von ihnen wirklich? Unterstützung, Arbeitsplätze und vermutlich viele Daten. Als Berater zugesagt haben bereits Bill Gates, Elon Musk (Tesla), Sara Catz (Oracle) und Travis Kalanick (Uber). IBM will bis 2020 25.000 neue Stellen schaffen. Ein US-Register von Muslimen könnte aber am Widerstand der Entwickler scheitern.

    

Was hilft gegen Fake News?

Ein neues Gesetz muss her, das gezielte Desinformation zum Straftatbestand macht, fordert der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer. Justizminister Heiko Maas sieht keinen Anlass für neue Gesetze, sofern die bestehenden wirklich angewendet werden.

Gegen Fake News hilft kein Gesetz, sagen Leute, die es besser wissen (SpiegelNetzpolitik.org). Die Aufgabe ist wesentlich vielschichtiger und komplexer, als viele wahr haben wollen.

Facebook hat jetzt zumindest den Ansatz einer Lösung, ein Meldesystem für Falschmeldungen in Kombination mit Fakten-Checks (Süddeutsche). Das klingt, als würde Facebook wieder alles auf seine Nutzer abwälzen, doch auch für Facebook ist die Aufgabe nicht so einfach.

 

  

Nachrichten

Europa plant den Überwachungsstaat. Die Grenzschutz-Agentur Frontex soll mit viel Geld zu einer Organisation ausgebaut werden, die eine Totalüberwachung des Reiseverkehrs in Europa zur Aufgabe hat. Davon profitieren werden fast nur Elektronik- und Rüstungsfirmen (Tagesspiegel).

Galileo-Navigationssystem geht endlich live. 18 der 30 Satelliten sind bereits im All und in Europa sind nach vielen Pannen und Querelen mit den USA die ersten Anwendungen in Betrieb (Zeit.de).

Die Online-Funktion im Personalausweis, soll künftig in der Grundeinstellung eingeschaltet sein. Die Abschaltung würde nachträglich beantragt werden (Spiegel).

Bill Gates & Co. investieren 1 Milliarde in Erneuerbare. Zusammen mit Amazon-Gründer Jeff Bezos, Alibaba-Chef Jack Ma und anderen Milliardären hat Gates die Breakthrough Energy Ventures Ins Leben gerufen, um bezahlbare Alternativen zu Öl, Gas und Kohle zu entwickeln (Heise.de).

Die Nutzerdaten von 1 Milliarde Yahoo-Konten sind schon 2013 in die Hände von Hackern gelangt, musste das Unternehmen diese Woche einräumen. Was das für Nutzer bedeutet, hat die Süddeutschezusammengefasst.

Amazon liefert erste Pakete per Drohne aus. Auf dem Erstflug von Amazon Prime Air sind eine Fire-TV-Box und eine Tüte Popcorn zum Kunden gebracht worden (Golem.de). Derweil streiken die Arbeiter in zwei deutschen Auslieferungszentren und in Schottland zelten sie lieber im Wald, als die gesalzenen Preise für den Bustransfer nach Hause zu zahlen.

   

Zu guter Letzt …

Fünf Buch-Tipps von IT-Agenda, falls Sie noch nach einem passenden Geschenk suchen (der Einfachheit halber mit Amazon-Links).

Digitale Agenda kw29

Trump

Donald Trump ist das Schreckgespenst der Tech-Branche. Er steht für so ziemlich alles, was das Silicon Valley ablehnt: einen autoritären Staat, strenge Regelungen, geschlossene Grenzen, keine Immigration, weniger freien Handel. Hillary Clinton vertritt in ihrem Programm genau das Gegenteil (ein Vergleich in Englisch auf Wired, Deutsch hier).

Trump hat nur einen namhaften Unterstützer, den deutschstämmigen Paypal-Gründer Peter Thiel. Ausgerechnet Thiel, selbst ein Immigrant, der in den USA zum Milliardär wurde. Was ihn dazu verleitet, sogar auf dem Kongress der Republikaner zu sprechen, versucht das Manager-Magazin zu analysieren.

Alle anderen proben den Aufstand, vorerst mit offenen Briefen(deutsch hier) oder ganzseitigen Anzeigen, und stellen sich geschlossen hinter Hillary Clinton auf.

Dabei ist Trump ein Produkt des Silicon Valley, argumentiert The Atlantic. Kein anderer versteht es besser, die Aufregungsmechanismen von Twitter, Facebook & Co. besser zu seinem Vorteil zu nutzen, selbst wenn er darin Dinge postet, die niemand wirklich gut finden kann oder die erst gar keinen Sinn machen.

TECHNIK UND IT-MANAGEMENT

Ransomware wird zum Problem für Unternehmen, sagt eine neue Studie von Symantec. Die Zahl der betroffenen Firmen steigt und immer mehr von ihnen sind bereit, Lösegeld zu zahlen, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen (speicherguide.de).

Kritische Infrastrukturen sind leicht zu hacken, zeigen Recherchen von Internetwache.org. Über das Internet lassen sich erstaunlich einfach Wasserwerke manipulieren und Blackouts auslösen (Zeit).

Die IT der zwei Geschwindigkeiten hat einen logischen Fehler, schreibt der Open-Source-Experte Michael Kienle in der Computerwoche. Die zwei IT-Welten sollen das Unternehmen gemeinsam durch die digitale Transformation führen. Mit Strukturen, die im Resultat auseinander driften, tue man sich aber keinen Gefallen.

Die Telekom darf jetzt Vectoring betreiben, hat die EU-Kommission beschlossen. Vectoring erreicht auf kurzen Kupferstrecken bis zu 100 MBit/s, allerdings verlieren dabei andere Provider den Zugang zur Leitung, die zum Kunden führt (SpiegelNetzpolitik.org).

Die Cloud ist endgültig im Markt angekommen. Das zeigen die Quartalsergebnisse von Firmen wie MicrosoftIBM und SAP, die dank ihrer Cloud-Dienste wieder einen Wachstumspfad haben.

Der Prozessorhersteller des iPhone und vieler Android-Smartphones, die britische ARM Holdings, wurde vom japanischen Konzern SoftBank für 28 Milliarden Euro gekauft. Dabei hat ARM gar keine eigene Herstellung, sondern entwirft lediglich die Prozessoren (FAZ).

iPhones sollten schleunigst aktualisiert werden, empfiehlt das BSI. Die Sicherheitslücken betreffen zudem die aktuellen Versionen des Mac OS (Spiegel).

Zu guter Letzt …

Der VHS-Rekorder ist Geschichte, der letzte Hersteller hat jetzt die Produktion der Geräte eingestellt. Begründung: die Bauteile werden knapp. Leere Kassetten werden seit Jahren nicht mehr produziert und an ein Comeback denkt ebenfalls niemand — die Qualität ist einfach zu schlecht (Süddeutsche).