Schlagwort-Archive: Uber

Digitale Agenda kw19 / 2019

 

re;publica

Die Macht der Internet-Konzerne stand im Mittelpunkt der diesjährigen Netzkonferenz re;publica. Auch wenn das offizielle Motto (tl;dr für „too long; didn’t read“) oberflächlich nichts damit zu tun hat: Es sind genau diese Konzerne, deren Plattformen ihrer Nutzer zur Oberflächlichkeit erziehen – mit gravierenden Nebenwirkungen. 

Die Geschäftsmodelle von Twitter, Facebook & Co. sind auf Nutzer-Manipulation ausgelegt und werden auch zur Manipulation von Wahlen und öffentlicher Meinung genutzt. Die Maßnahmen der Konzerne, den Schaden zu begrenzen, können kaum gelingen, denn der Fehler liegt im System, wie immer wieder offensichtlich wird. 

Es wird Zeit, Facebook zu zerschlagen, fordern inzwischen nicht nur immer mehr US-Politiker, sondern seit dieser Woche auch einer seiner Gründer.

 

Digitales Leben

Die DSGVO hat eine Zeitenwende eigeläutet, sagte der neue Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber bei der Vorstellung seines ersten Jahresberichts. Es zeichne sich bereits ab, dass sich die DSGVO weit über Europa hinaus zu einem Standard entwickle. 

Gesundheitsbedenken über 5G. Auch wenn eine unmittelbare Krebsgefahr bisher nicht nachgewiesen wurde, steigt die Skepsis: In der Schweiz haben gibt es in zwei Kantonen ein 5G-Moratorium, die Stadt Brüssel will ein 5G-Pilotprojekt nicht genehmigen, Bürger und Wissenschaftler warnen. Was ist dran?

Sind Polizeidaten in der Amazon Cloud gut aufgehoben? Der Datenschutzbeauftragte des Bundes und einige Politiker haben Bedenken geäußert, doch es mangelt an Alternativen. Die Bundescloud erfüllt die technischen Voraussetzungen einfach noch nicht.

Der Google Assistant soll keine Internet-Verbindung mehr brauchen und Microsoft will die Arbeitsprozesse der Zukunft radikal umkrempeln. Neues aus den Entwicklerkonferenzen von Google und Microsoft.

Uber will an die Börse, aber seine Fahrer streiken. Die Fahrer protestieren gegen ein System automatisierter Dauerüberwachung und Manipulation, das nun eine kanadische Forscherin im Detail exponiert. In Berlin versucht sich Uber derweil als Fahrradverleiher. 

 

Zu guter Letzt…

Jeff Bezos will auf den Mond – um zu bleiben. Natürlich nicht persönlich, auch wenn viele seiner Lagerarbeiter ihm das gerne wünschen würden. Vielmehr stellte der Amazon-Chef die Pläne seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin vor, nach welchen große Teile der Industrie auf den Mond ausgelagert werden sollen, weil dort die Bedingungen besser seien.

Digitale Agenda kw50 / 2018

 

Gesetz vs. New Economy

Die Geschäftsmodelle der Internet-Wirtschaft geraten immer häufiger in Konflikt mit geltenden Gesetzen. Die drei Beispiele dieser Woche: 

  • Airbnb muss Daten herausrücken, urteilte das Landgericht München. Die Stadt möchte wissen, wer seine Wohnung mehr als 8 Wochen im Jahr als Ferienwohnung vermietet, denn das ist meldepflichtig. Außerdem trägt diese Praxis zu Wohnungsknappheit und hohen Mieten bei. 
  • Der Fahrdienst-Vermittler Uber verstößt mit seiner Masche, Taxifahrten als „Mietwagen mit Fahrer“ zu vermarkten, gegen das Taxi-Gesetz. Ob das Urteil die Verbreitung von Uber ausbremsen wird, ist allerdings fraglich. 
  • Das deutsche Leistungsschutzrecht für Verlage, findet der EU-Generalanwalt. Das Gesetz, nach dem Google für Überschriften und Textfragmente von Nachrichten in seinen Ergebnislisten Lizenzgebühren an die Verlage zahlen soll, verstößt gegen EU-Recht.

 

Digitales Leben

Ein Drittel aller Android Apps schickt private Daten an Facebook. Möglich ist das durch die Nutzung von Facebooks App-Entwicklungsplattform (SDK). Davon betroffen sind auch Apps der CDU und SPD.  

Apple Pay startet in Deutschland. Noch macht nicht jede Bank in Deutschland beim Bezahldienst mit dem iPhone mit, aber das soll sich bald ändern. Alles wichtige zu Apple Pay in der Zeit, plus die interessante Frage: Zerstört das Smartphone die deutsche Liebe zu Bargeld?

Zahl der DSGVO-Anzeigen steigt schnell an. Von den 45.000 Beschwerden in der EU bis September 2018 geht etwa ein Viertel auf deutsche Nutzer zurück. Die Zahlen sind ein Indiz dafür, dass die Verordnung angenommen wird, sagt die Bundesbeauftragte für Datenschutz.

Gesichtserkennung gegen Stalking hat die US-Sängerin Taylor Swift in einem ihrer Konzerte eingesetzt. Die Besucher wurden heimlich gefilmt, um mutmaßliche Stalker der Sängerin zu identifizieren.

Wie weibliche Wikipedia-Redakteurinnen weggemobbt werden, beschreibt die taz-Autorin Carolina Schwarz auf Netzpolitik.org. Ein Kommentar wie „erst wenn diese Feministin verschwunden ist, kann Wikipedia wieder ein guter Ort sein“, gehört noch zu den harmloseren.  

Zu guter Letzt …

Personalisierte Werbung funktioniert nicht, wie der Fall einer US-Bürgerin zeigt. Als sie schwanger war, wurde sie mit Werbung für Schwangerschaftsartikel beworfen. Das blieb auch so nachdem sie ihr Kind verlor und ihr über verschiedene soziale Netzwerke tausendfach Beileid gewünscht wurde. In ihrer Verzweiflung brachte sie den Fall an die Öffentlichkeit. Trotz des berechtigten Ärgers über den Zynismus der Werbealgorithmen sollten wir aber froh sein, dass Tracking nicht gut funktioniert, findet der Spiegel. 

Digitale Agenda kw12 / 2018

 

Facebook und Cambridge Analytica

Facebook als Instrument der Wählerbeeinflussung – daran nichts illegal. Was aber Cambridge Analytica im Auftrag eines US-Milliardärs und Trump-Förderers bei der letzten US-Wahl daraus machte, hat Facebook in eine Krise gestürzt (Zusammenfassung auf Netzpolitik.org).

Wahlmanipulation ist ein Geschäftsmodell, das Cambridge Analytica zur Perfektion getrieben hat. Facebook-Nutzer zu manipulieren war dabei nur ein Baustein aus einer ganzen Palette illegaler Mittel (Süddeutsche).

Der eigentliche Datenskandal besteht aber darin, dass aus Sicht von Facebook nichts illegales passiert ist. Cambridge Analytica hat nur Facebooks Möglichkeiten genutzt, auf seine Nutzer Einfluss zu nehmen (Spiegel).

Wird sich in absehbarer Zeit etwas ändern? Politiker und Datenschützer sind empört, Facebook musste sich entschuldigen und gelobte, wie immer, Besserung. Das Geschäftsmodell bleibt aber intakt und die Nutzer sind weiterhin treu.

 

Digitale Welt

Anwälte misstrauen ihrem elektronischen Postfach. Das eigens für sie entwickelte Anwaltspostfach (beA) mit dem „Look-and-Feel der Neunzigerjahre“ sollte seit 1. Januar verpflichtend sein, scheiterte aber an einem IT-Anfängerfehler (Süddeutsche).

Bei der Digitalisierung kann Deutschland von Spanien lernen. Breitband, digitale Unterschrift, elektronische Steuererklärung und Online-Behördengänge sind in Spanien längst Realität – und sie funktionieren (WiWo).

Internet-Konzerne sollen mehr Steuern zahlen, findet die EU und arbeitet an einem Plan zur Besteuerung der Umsätze der Internet-Riesen vorsieht. Die Gewinne von Apple, Amazon & Co. werden so lange zwischen den EU-Ländern verschoben, bis sie nicht mehr zu sehen sind (Zeit).

Autonomes Uber-Auto überfährt Fußgängerin. Ein von der Polizei veröffentlichte Video des Unfallhergangs zeigt allerdings, dass auch ein menschlicher Fahrer in dieser Situation keine Chance gehabt hätte, rechtzeitig zu bremsen (Süddeutsche).

Im Wettlauf um KI hat China die besseren Karten. Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hängt stark von der Verfügbarkeit Daten ab. So etwas wie Datenschutz gibt es in China aber nicht (FAZ).

 

Zu guter Letzt …

Wie Wikipedia, nur ohne Frauen und Evolution zeigt sich eine Online-Enzyklopädie ultraorthodoxer Juden. Das „Hamichlol“ (Gesamtheit) genannte Projekt unterschlägt alles, was nicht zu hundert Prozent in Einklang mit der Sicht von ultraorthodoxen Juden steht – oder schreibt es einfach um. Beim Eintrag über die aktuelle israelische Regierung wurden auf dem Gruppenfoto die drei weiblichen Mitglieder einfach wegretuschiert (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw03 / 2018

 

Coin-Schwemme

Jeder darf mal: Fast jeden Tag kommen neue Kryptowährungen wie Bitcoin auf dem Markt und offensichtlich gibt es genug Verrückte, die sie kaufen. Gegen den Krypto-Hype ist Roulette ein Familienspiel kommentiert die Süddeutsche. Auch der neuerliche Bitcoin-Crash schreckt kaum jemanden ab.

Alles, was mit Bitcoin und Blockchain zu tun hat, ist gefragt. Ein Unternehmen wie Kodak (gibt’s noch) braucht nur anzukündigen, einen „KodakCoin“ zu entwickeln, um seinen Aktienkurs zu verdoppeln. Eine Getränkefirma fügte nur das Wort „Blockchain“ in ihrem Namen und hatte denselben Effekt.

Die Blockchain-Technologie (gute Erläuterung in der SZ) hat dennoch das Potenzial, die digitale Welt zu verändern (Netzpolitik). Sogar sinnvolle Geschäftsmodelle mit Kryptowährungen sind möglich, wenn sie so gut durchdacht sind beim Messenger Telegram (Zeit).

 

Digitale Welt

Soziale Netzwerke sind auf Löschkurs. Schon die bloße Androhung des Netzdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) hat gereicht, dass 2017 Facebook und Twitter viel mehr Beiträge gelöscht haben als die Jahre davor (Zeit). Der Übereifer den Netzwerke ist allerdings genauso gefährlich wie ihre Nachlässigkeit.

Android-Trojaner liest bei WhatsApp mit. „Skygofree“ wurde von Kaspersky entdeckt und scheint ein typischer Staatstrojaner zu sein. Entwickelt wurde er wahrscheinlich von einer darauf spezialisierten italienischen Firma (Spiegel).

Über die iPhone-Bremse entscheidet künftig der Nutzer. Apple hat sich Kritik und Klagen eingefangen, weil es die Leistung alter iPhones mit altem Akku drosselt, damit sie länger laufen. Künftig kann man das abstellen, sollte man aber besser nicht (Spiegel).

Spähtechnoilogie soll nicht exportiert werden dürfen. Das EU-Parlament hat dafür gestimmt, Gesetzeslücken zu schließen, die den Verkauf von Überwachungssoftware an autoritäre Staaten erlaubt (Netzpolitik).

Apple holt seine Milliarden nach Hause. Der Konzern will seine Cash-Reserven von 252 Milliarden Dollar aus Steueroasen abziehen und in den USA 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Mit Trumps Steuerreform soll das aber nur bedingt etwas zu tun haben (Süddeutsche, Welt).

 

Zu guter Letzt …

Es geht auch ohne Vermittler. Nach dem Verbot des Fahrdienstleisters Uber in London haben die Fahrer der legendären schwarzen Taxis selbst eine App herausgegeben. Die TaxiApp wird von ihnen genossenschaftlich getragen und vermittelt Taxis, ohne dass ein Konzern wie Uber mitverdient. Es ist nicht die erste Zunft, die dem genossenschaftlichen Modell folgt. Nachdem bei der Sharing Economy offenbar nur Vermittler profitieren, ist die Co-operative Economy jetzt im Kommen (Netzpolitik, The Independent, Co-op News).