Schlagwort-Archive: Überwachung

Digitale Agenda kw10 / 2021

 

Exchange

Eine Sicherheitslücke in Exchange, der Mailserver-Software von Microsoft, sorgt seit Ende letzter Woche für zahlreiche Hackerangriffe bei Unternehmen und Behörden weltweit. 

Betroffen waren unter anderem die Europäische Bankenaufsicht sowie sechs Bundesbehörden. Experten befürchten eine Erpressungswelle als Folge der Einbrüche in Mail-Systeme. 

Die Meldepflicht für Unternehmen, die betroffen sein könnten, wird unterdessen von den verschiedenen Datenschutzbehörden noch unterschiedlich beurteilt. 

Hat Microsoft zu langsam reagiert? Die Schwachstellen und das dazugehörige Exploit wurden Microsoft immerhin schon Anfang Januar gemeldet. 

 

Digitales Leben

Der digitale Impfpass kommt von IBM. Zusammen mit dem Kölner Startup Ubirch soll IBM eine Impfnachweis-App, eine Prüf-App und ein Backend-System für Arztpraxen entwickeln.

Regierung plant ‚digitale Brieftasche‘. Sie soll alle wichtigen persönlichen Daten und Dokumente enthalten, von der Geburtsurkunde bis zum Testament. Ein ähnliches Projekt ist letzte Woche in der Schweiz am Widerstand der Bürger gescheitert. 

Milliardeninvestition von Apple in München. In der Landeshauptstadt sollen Architekturen und Designs für Halbleiter entwickelt werden, die sich mit drahtloser Konnektivität und 5G befassen.

Studie über das Ausmaß der Überwachung. Das Max-Planck-Institut hat mindestens 15 Kategorien anlasslos gespeicherter Massendaten identifiziert. Und auch, dass die Zahl der Datensammlungen kommerzieller Firmen noch höher ist.

150.000 Überwachungskameras angezapft. Durch den Hack konnten die Angreifer eine Live-Verbindung mit jeder installierten Kamera der Firma Verkada herstellen und hatten Zugriff die übermittelten Bilder. 

 

Zu guter Letzt …

69 Millionen Dollar für ein digitales Kryptokunstwerk. Das Werk EVERYDAYS: THE FIRST 5000 DAYS des Künstlers Beeple, eine Collage aus 5.000 digitalen Bildern, ist ein sogenanntes Non-Fungible Token (NFT), das nur digital existiert. Dank Blockchain kann sich der Käufer sicher sein, dass es sich um ein Original handelt. 

Digitale Agenda kw24 / 2020

 

Digitale Aufklärungstechnik

Bei den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA wurden alle vorhandenen Überwachungstechnologien eingesetzt, um Randalierer zu ermitteln, inklusive Militär-Aufklärungsflugzeugen und Drohnen. 

IT-Schwergewichte versuchen nun ihren Ruf zu retten. IBM steigt von der Gesichtserkennung ganz aus, Microsoft unterbricht deren Verkauf an die Polizei und Amazon setzt ihn ein Jahr lang aus.

Die Corona-Pandemie hat neue Überwachungstechniken geschaffen, die auch nach der Pandemie bleiben werden. US-Behörden sprechen schon von „Covid-ähnlichem Tracing von Verdächtigen“, Europol will Tools von Palantir nutzen.

Die Corona-App braucht eine gesetzliche Regelung, mahnt der Bundesdatenschutzbeauftragte in einem Brief an das Gesundheitsministerium. 

 

Digitales Leben

Wenn Internet zu langsam, Geld zurück. Die Regierung arbeitet an einem Gesetzentwurf, in dem ein Recht auf schnelles Internet manifestiert ist, inkl. Maßnahmen gegen Provider. 

Deutschland sperrt sich gegen Informationsfreiheit. Die Regierung will einer neuen Konvention, die den Zugang zu amtlichen Informationen völkerrechtlich sicherstellen will, nicht beitreten.

Schlag gegen illegale Streaming-Seiten. Die Europol hat in einer europaweiten Aktion ein Netzwerk illegaler Streaming-Dienste mit Servern in 13 Ländern abgeschaltet.

Macs bald ohne Intel inside? Gemunkelt wird es schon länger, dass Apple lieber die eigenen Prozessoren nutzen will, ein neuer Bericht facht die Spekulationen wieder an. 

Twitter löscht 170.000 Accounts. Die meisten stammen aus China und sollen Propaganda verbreitet haben. Zoom löscht derweil Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten.

 

Zu guter Letzt …

MSN ersetzt Redakteure durch KI und blamiert sich. Mehr als 50 angestellte Redakteure, die für Themenauswahl und -aufbereitung zuständig sind, sollen Ende des Monats das Nachrichtenportal verlassen – nachdem sie die KI-Algorithmen trainiert haben, die ihren Job übernehmen. Nur können letztere den Job nicht besonders gut.

Digitale Agenda kw27 / 2019

 

Erkannt und abgehört

Es regt sich weltweit Widerstand gegen den Einsatz von Gesichtserkennung und gegen allzu datenhungrige Smart-City-Projekte wie das von Google in Toronto (Projektseite, kurzer Abriss auf Deutsch, detaillierter Bericht auf Englisch). San Francisco hatte bereits im Mai Gesichtserkennung im öffentlichen Bereich verboten. Und es gibt noch viel zu tun:

Smart-Home-Geräte schmuggeln Mikrofone ein, ohne die Nutzer davon in Kenntnis zu setzen. Das trifft für No-Name-Geräte aus Fernost ebenso zu wie für intelligente Alarmanlagen aus dem Hause Google auch wenn die offizielle Linie völlig anders klingt. 

Spionage-Apps in die Smartphones von Touristen, die eine bestimmte Region besuchen wollen, installieren die chinesischen Grenzbehörden, hat die Süddeutsche herausgefunden. 

Jedem Bürger seine eigene digitale Akte? Im Überwachungskapitalismus gehört das zum Geschäftsmodell und deswegen löscht Amazon keine gespeicherten Alexa-Daten. 

 

Digitales Leben

Man kann jetzt schon mit 5G telefonieren, allerdings zu einem sehr hohen Preis. Die Telekom hat ihre ersten 5G-Tarife vorgestellt. Dafür stehen 3G-Kunden mit Billigverträgen bald ohne Netz da.

USA heben Blockade gegen Huawei auf. Donald Trump will das als Erfolg seiner Verhandlungen mit China verstanden wissen, doch wahrscheinlich ist er von dem Druck der US-Industrie eingeknickt. 

Ein zweiter Blick auf Facebooks Kryptowährung Libra wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. „Der Teufel steckt im Detail, und in diesem Fall ist der Teufel überall“, sagt ein Experte.  

Die Facebook-Störung vom Mittwoch hatte einige interessante Nebeneffekte. Mitunter wurde sichtbar, wie Facebook die Bilder der Nutzer mittels Künstlicher Intelligenz taggt. 

Die USA und Iran befinden sich im Cyberkrieg, und das schon seit vielen Jahren. Auch wenn der Iran den USA deutlich unterlegen ist, man sollte seine Fähigkeiten nicht unterschätzen, warnen Experten.  

 

Zu guter Letzt …

… und weg waren die eBooks. Das Geschäft mit elektronischen Büchern war für Microsoft nie rentabel, deswegen ist der Verkauf Anfang April eingestellt worden und diesen Monat wird der Server abgeschaltet.  Bedeutet: Heruntergeladene Bücher „funktionieren nicht mehr“, können also nicht mehr gelesen werden. Kunden erhalten eine volle Rückerstattung. 

Digitale Agenda kw20 / 2019

 

Geschäftsmodell Überwachung

Die Kriminalitätsraten in Deutschland sinken, dennoch werden die Polizeigesetze immer schärfer und sind auf Überwachung ausgerichtet. Zugleich mischt die Industrie bei deren Formulierung immer häufiger mit. 

Überwachung ist ein Geschäft. Das zeigte sich auch diese Woche mit der Sicherheitslücke in WhatsApp, die ein Produkt der israelischen Firma NSO nutzte, um darüber Spionage zu betreiben. 

Der Bundesdatenschutzbeauftragte fordert eine Denkpause bei den Sicherheitsgesetzen, Bürgerrechtler klagen gegen die Fluggastdatenspeicherung und San Francisco verbietet die Gesichtserkennung in der Stadt. 

Das Problem: Die Überwachung steckt bereits zu tief im Kern der Geschäftsmodelle von Internet-Giganten wie Google und Facebook und der Rest der Industrie zieht einfach mit. 

 

Digitales Leben

Neue Sicherheitslücken in Intel-Prozessoren. ZombieLoad lässt Daten anderer Prozesse auslesen, selbst wenn diese in einer anderen virtuellen Maschinen laufen. Eine Übersicht der Artikel, Advisories und Patches nach Betriebssystem gibt es hier. 

Kein Google-Zugriff auf Schülerdaten. Länder und Schulträger wollen die Hoheit über die digitalen Identitäten ihrer Schüler behalten und haben für den Digitalpakt Schule die Einrichtung eines ID-Vermittlungsdienstes vorgeschlagen, der sicherstellen soll, dass keine Privatfirmen an diese Daten kommen.

USA eskalieren Handelskrieg gegen Huawei. Per Dekret erklärte Donald Trump den nationalen Notstand „zum Schutz der heimischen Telekommunikation“ und setzte Huawei und weitere 70 Firmen und ihre Produkte auf eine schwarze Liste. Die EU will diesmal nicht mitmachen. 

Wie soll man sich gegen Terror-Videos schützen? Nach dem Anschlag von Christchurch haben Regierungen und Internet-Firmen eine Erklärung unterzeichnet, der konkrete Maßnahmen folgen sollen. Ein richtiger Schritt, auch wenn er allein nicht viel bewirken kann.

Die CO2-Bilanz der Digitalisierung bietet nicht unbedingt Anlass zur Freude. Ersten Berechnungen zufolge ist allein das Treibhauspotenzial des digitalen Musikkonsums (Spotify & Co.) um 30 bis 100 Prozent höher als im Jahr 2000. Das Ausspielen von Youtube-Videos verbraucht jährlich etwa so viel Strom wie Glasgow.

 

Zu guter Letzt … 

Einen digitalen Rosenkrieg können sich Eheleute während der Scheidungsphase liefern, wenn sie bis dahin ein Smart Home bewohnt haben. Ums Digitale kümmern sich meistens die Männer – und das kann zum Problem werden. Ob Überwachung, aufgeblasene Heizkostenrechnungen oder Musik- und Lichtterror: Das alles kommt immer häufiger vor.