Schlagwort-Archive: Überwachung

Digitale Agenda kw27 / 2021

 

Kaseya

Einem perfiden Ransomware-Angriff ist der IT-Dienstleister Kaseya zum Opfer gefallen. Perfide, weil etwa 1.000 seiner 30.000 Kunden davon betroffen waren. Die schwedische Supermarktkette Coop traf es besonders schwer.

Für den Angriff verantwortlich – und für die Lösegeldforderung von 70 Millionen Dollar – ist mal wieder die Hackergruppe REvil verantwortlich, deren Sitz in Russland vermutet wird. 

Industrieverbände warnen vor weiteren Angriffen und das BSI stellt eine gesteigerte Aggressivität fest. Der Bitkom schätzt den Schaden in diesem Jahr weit höher als die 100 Milliarden Euro vom Jahr 2019 ein. 

 

Digitales Leben

Elon Musk hat schon 1.800 Satelliten im All. Aber das ist nur der Anfang. Irgendwann sollen es 55.000 werden. „Starlink“ soll den gesamten Globus mit Internet versorgen. Wissenschaftler laufen Sturm.

Automatisches E-Mail-Scanning wird bestätigt. Das EU-Parlament stimmte für die automatische Durchsuchung von E-Mails, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Bürgerrechtler befürchten noch mehr anlasslose Überwachung und weisen darauf hin, dass EU-Bürger bereits in schockierendem Ausmaß biometrisch überwacht werden, wie auch die in UK.

Facebook testet Button zur Denunziation. „Bist du besorgt, jemand den du kennst, könnte ein Extremist werden?“ fragt ein Pop-up. Was passiert, wenn jemand Freunde oder Fremde meldet, ist noch unklar. 

CCC kritisiert die Luca-App. Die staatliche Förderung mit 20 Millionen Euro habe die App zum Quasi-Standard gemacht und den Wettbewerb verzerrt. 13 Bundesländer haben die App bereits lizenziert.

Kritische Lücke in Windows-Druckersteuerung. PrintNightmare heißt die Schwachstelle im Druckerspooler, die alle Windows-Versionen betrifft. Ein Patch wurde von Sicherheitsforschern als unzureichend kritisiert, doch Microsoft hält am Patch fest. 

 

Zu guter Letzt …

Wollen Sie wirklich wissen, wann der Opa stirbt? Falls ja, können Sie den Elder-Life Calculator eines kanadischen Forscherteams befragen, indem Sie eine wichtige Parameter (darunter auch solche wie „Bildungsabschluss“) eingeben. Netzpolitik hat es ausprobiert. 

Digitale Agenda kw23 / 2021

 

Nur zu unserer Sicherheit

Staatstrojaner für alle. Der Bundestag hat gestern ein neues Verfassungsschutzgesetz verabschiedet, nach dem Bundespolizei und Geheimdienste Computer und Smartphones auf bloßem Verdacht abhören können. 

Viele Freunde hat das neue Gesetz nicht. Zur Kritik aus der Öffentlichkeit kam auch die des Digitalverbands Bitkom und der Gewerkschaft Verdi hinzu. Auch die SPD ist über das Gesetz tief zerstritten. 

Die automatische Autokennzeichen-Erkennung kommt auch, zunächst nur zum Zweck der Rasterfahndung. Die Auto-Vorratsdatenspeicherung ist erstmal vom Tisch.  

Der Widerstand gegen noch mehr Überwachung wächst. Ein weltweites Bündnis fordert ein Verbot biometrischer Überwachung und die EU erwägt ein Verbot KI-gestützter Gesichtserkennung.

 

Digitales Leben

Die App für den digitalen Impfausweis ist da. CovPass ist als Ergänzung zum Impfheft gedacht und kann ein digitales Impfzertifikat sicher speichern. Dasselbe soll bald auch die Corona-Warn-App können. 

Apple bringt Alternative zu VPN. iCloud Private Relay ist eine Mischung aus VPN und Tor-Netzwerk und verschleiert IP-Adressen, funktioniert aber nur im Safari-Browser. Dafür gibt es FaceTime bald auch auf Android und Windows. 

Jüngstes Ransomware-Opfer zahlt 11 Millionen. Erwischt hat es diesmal JBS, den weltgrößten Fleischkonzern. Ein Teil des Lösegelds, das die Colonial Pipeline von einigen Wochen gezahlt hatte, konnte sichergestellt werden. 

Regulierer geben Gas gegen Tech-Konzerne. Nach diversen Verfahren gegen Google, Apple und Amazon knöpft sich die EU Facebook vor und erwägt eine Regulierung von Sprachassistenten wie Siri und Alexa.

Google lässt alternative Suchmaschinen auf Android. Ecosia, DuckDuckGo & Co. müssen sich ihren Platz in Android nicht mehr erkaufen und bekommen einen prominenteren Platz bei der Neuinstallation von Android.

 

Zu guter Letzt …

Homeoffice-Debatte im Silicon Valley. Dropbox hat das Homeoffice zum Stammarbeitsplatz erklärt und holt seine Mitarbeiter nur noch zu Meetings ins Büro, Facebook hat seinen Angestellten die freie Wahl gelassen, Apple besteht aber auf mindestens drei Tage Präsenz – zum Leidwesen eines großen Teils seiner Belegschaft. 

Digitale Agenda kw21 / 2021

 

Homeoffice-Pflicht

Dürfen Sie bald raus aus dem Homeoffice? Der Vorstoß von Wirtschaftsminister Altmaier, die Homeoffice-Pflicht zu lockern, hat zumindest bei der Industrie Zustimmung gefunden, denn: Homeoffice senkt das Bruttoinlandsprodukt. 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist dagegen. Die Homeoffice-Pflicht soll bestehen bleiben, „solange nicht ein Großteil der Beschäftigten vollständig geimpft ist“, sagt DGB-Chef Hoffmann. 

Die Mehrheit der Deutschen sind ebenfalls dagegen. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom sind 58 Prozent für strikte Homeoffice-Pflicht, bis Corona vorüber ist.

 

Digitales Leben

Corona-App Luca kann Gesundheitsämter lahmlegen. Eine bereits bekannte Sicherheitslücke kann ausgenutzt werden, um Ransomware in Gesundheitsämter einzuschleusen. Für die Luca-Betreiber ist Excel dran schuld. 

Kartellamt leitet zwei Verfahren gegen Google ein. Im ersten prüft die Behörde, ob Google eine marktbeherrschende Stellung hat. Das zweite Verfahren bezieht sich auf Googles Regeln für die Datenverarbeitung.

Massenüberwachung der Geheimdienste vor Gericht. Das Anzapfen von Glasfaserleitungen bleibt grundsätzlich weiterhin möglich, doch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert Nachbesserungen.

Bürgerrechtler gehen gegen Clearview AI vor. Nach ersten Beschwerden in den USA legten auch europäische Bürgerrechtler Beschwerde gegen die Praktiken der Firma ein, die Gesichtserkennung als lukratives Geschäftsmodell betreibt.

Amazon kauft traditionsreiches MGM-Filmstudio. Für einen Kaufpreis von über 8 Milliarden Dollar bekommt der Online-Händler die Rechte an 4000 Filmen und 17.000 Fernsehshows.

 

Zu guter Letzt …

Wie manipuliert man Wissenschaftler? Genauso wie alle anderen auch. Man trackt ihre Interessen und versorgt sie gezielt mit Informationen von Firmen, die kommerzielle Interessen verfolgen und ihren Einfluss auf die Wissenschaft steigern wollen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft warnt in einem neuen Bericht vor Datenmissbrauch durch Wissenschaftsverlage. 

Digitale Agenda kw10 / 2021

 

Exchange

Eine Sicherheitslücke in Exchange, der Mailserver-Software von Microsoft, sorgt seit Ende letzter Woche für zahlreiche Hackerangriffe bei Unternehmen und Behörden weltweit. 

Betroffen waren unter anderem die Europäische Bankenaufsicht sowie sechs Bundesbehörden. Experten befürchten eine Erpressungswelle als Folge der Einbrüche in Mail-Systeme. 

Die Meldepflicht für Unternehmen, die betroffen sein könnten, wird unterdessen von den verschiedenen Datenschutzbehörden noch unterschiedlich beurteilt. 

Hat Microsoft zu langsam reagiert? Die Schwachstellen und das dazugehörige Exploit wurden Microsoft immerhin schon Anfang Januar gemeldet. 

 

Digitales Leben

Der digitale Impfpass kommt von IBM. Zusammen mit dem Kölner Startup Ubirch soll IBM eine Impfnachweis-App, eine Prüf-App und ein Backend-System für Arztpraxen entwickeln.

Regierung plant ‚digitale Brieftasche‘. Sie soll alle wichtigen persönlichen Daten und Dokumente enthalten, von der Geburtsurkunde bis zum Testament. Ein ähnliches Projekt ist letzte Woche in der Schweiz am Widerstand der Bürger gescheitert. 

Milliardeninvestition von Apple in München. In der Landeshauptstadt sollen Architekturen und Designs für Halbleiter entwickelt werden, die sich mit drahtloser Konnektivität und 5G befassen.

Studie über das Ausmaß der Überwachung. Das Max-Planck-Institut hat mindestens 15 Kategorien anlasslos gespeicherter Massendaten identifiziert. Und auch, dass die Zahl der Datensammlungen kommerzieller Firmen noch höher ist.

150.000 Überwachungskameras angezapft. Durch den Hack konnten die Angreifer eine Live-Verbindung mit jeder installierten Kamera der Firma Verkada herstellen und hatten Zugriff die übermittelten Bilder. 

 

Zu guter Letzt …

69 Millionen Dollar für ein digitales Kryptokunstwerk. Das Werk EVERYDAYS: THE FIRST 5000 DAYS des Künstlers Beeple, eine Collage aus 5.000 digitalen Bildern, ist ein sogenanntes Non-Fungible Token (NFT), das nur digital existiert. Dank Blockchain kann sich der Käufer sicher sein, dass es sich um ein Original handelt.