Schlagwort-Archive: Upload-Filter

Digitale Agenda kw16/kw17 / 2019

 

Terroristische Inhalte

Binnen einer Stunde müssen Plattformen wie Facebook oder YouTube Inhalte löschen, die von den Behörden als „terroristisch“ angezeigt werden, beschloss das EU-Parlament. Abgelehnt hat es aber die Verwendung von „proaktiven Maßnahmen“ zu diesem Zweck, also Upload-Filter. 

Etwa 6.000 solcher Löschanfragen gab es in den letzten sechs Monaten vom BKA, den Ersuchen wurde seitens der Plattformbetreiber zu 84 Prozent entsprochen. 

Ob es langfristig tatsächlich manuell funktionieren kann, bleibt aber noch zu beweisen. Facebook musste das Video der Anschläge von Christchurch 1,5 Millionen Mal löschen – in den ersten 24 Stunden. 

Und technische Lösungen sind nicht zuverlässig, wie der Brand von Notre Dame bewies. Live-Übertragungen des Brandes verwechselte der YouTube-Algorithmus mit den Anschlägen vom 11. September.  

 

Digitales Leben

Samsung erlebt ein Debakel mit seinem Falt-Handy. Samsung musste den Start des Galaxy Fold verschieben, nachdem die Displays der Testgeräte reihenweise kaputt gingen. Das Handy scheint in seiner jetzigen Form nicht alltagstauglich zu sein. 

5G-Auktion ist ein Vorbote künftiger Funklöcher. Die Netzbetreiber geben für den Kauf der 5G-Frequenzen so viel Geld aus, dass ihnen hinterher das Budget für einen vernünftigen Ausbau des Funknetzes fehlt – genau wie bei der letzten 3G-Auktion. 

Regierung weiß nicht wohin mit dem KI-Budget. Von den versprochenen 3 Milliarden bis 2025 sollen nur 500 Millionen tatsächlich frisches Geld sein, der Rest soll anderswo eingespart werden. Davon sollen dieses Jahr 50 Millionen ausgegeben werden, aber die Ministerien wissen nicht, wofür genau. 

Fluggastdaten-Überwachung liefert nur falsche Ergebnisse. Jedem Treffer für einen Verdächtigen stehen 400 False Positives gegenüber, was einer Fehlerquote von 99,7 Prozent entspricht. Die falschen Ergebnisse werden vom BKA manuell geprüft. Die Überwachungsbehörde hat noch 500 Stellen zu besetzen. 

Keine Woche ohne Facebook-Skandal. Die Plattform griff Millionen E-Mail-Adressen unerlaubt ab, außerdem lagen Millionen Instagram-Passwörter unverschlüsselt herum. Facebook rechnet mit einer Milliardenstrafe, die aber sein Cash-Polster nicht allzu sehr strapazieren dürfte. 

 

Zu guter Letzt …

Unitymedia darf private Router als Hotspots nutzen. Der Kabelnetzbetreiber hat die Router seiner Kunden mit der Fähigkeit ausgestattet, ein zweites WLAN bereitzustellen, das vom Betreiber als Hotspot angeboten werden kann – ohne jegliche Kompensation für die Kunden. Letztere können aber immerhin widersprechen, urteilte der Bundesgerichtshof. 

Digitale Agenda kw14 / 2019

 

Sicherheit und Überwachung

Den Staatstrojaner für den Verfassungsschutz will Innenminister Seehofer freigeben und hat dies in einem Gesetzentwurf zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts gepackt – sehr zum Ärger der SPD. 

Auch der BND soll den Staatstrojaner einsetzen und seine Dienste allen deutschen Behörden anbieten dürfen. Das würde den Staatstrojaner für alle verfügbar machen und seinen Einsatz der öffentlichen Kontrolle entziehen.  

Außerdem soll das BSI in Zukunft hacken dürfen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll nicht nur Cyber-Gefahren abwehren, sondern Sicherheitslücken auch selbst ausnutzen dürfen. 

Das alles macht Massenüberwachung à la NSA möglich. Letztere hortet inzwischen so viele Daten, dass sie  Künstliche Intelligenz für die Sicherheitsüberprüfung von Geheimnisträgern einsetzen will.  

 

Digitales Leben

Barley will Korrekturen bei Upload-Filtern. Die Justizministerin will zwar der EU-Urheberrechtsreform im EU-Rat zustimmen, aber in einem Zusatzprotokoll festhalten, dass Upload-Filter nur für „marktmächtige“ Plattformen wie Facebook in Frage kommen sollen. 

Der Facebook-Chef fordert weltweit einheitliche Regeln für die Sperrung von Inhalten, Wahlmanipulation, die Portierbarkeit persönlicher Daten und für den Datenschutz. Seine „Gedanken“ kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe nach einer Zerschlagung von Facebook immer lauter werden, sind nicht sehr glaubwürdig und die Absicht dahinter mehr als offensichtlich.                    

Unterdessen gibt es noch zwei Facebook-Skandale. Die Algorithmen für das Anzeigen von Werbung betreiben Diskriminierung im großen Stil und der Konzern speichert Nutzerdaten auf öffentlichen Servern. 

Hackerangriff auf Bayer. Der Konzern soll von der vermutlich aus China stammenden Hackergruppe Winnti ausspioniert worden sein. Die Hacker sollen vor allem „Systeme an der Schnittstelle vom Intranet zum Internet sowie Autorisierungssysteme“ im Auge gehabt haben. 

Häftlinge trainieren Algorithmen. Das finnische Start-Up Vainu, das Arbeitskräfte und Dienstleister weltweit vermittelt, lasst seine Unternehmensdatenbank mitunter durch Häftlinge auf den neuesten Stand halten und dabei auch die eigenen Algorithmen mit Erkenntnissen füttern.

 

Zu guter Letzt…

Apple hat vor den Grenzen der Physik kapituliert und die Entwicklung seiner 2017 angekündigten Ladematte eingestellt. Auf der Matte sollten bis zu drei Geräte gleichzeitig drahtlos aufgeladen werden können, doch Apple hat nach der Ankündigung offenbar so große Probleme mit unangenehmen Nebeneffekten beim Laden gehabt, dass das Gerät nun komplett eingestampft wird. 

Digitale Agenda kw13 / 2019

 

EU-Urheberrechtsreform

Alles Demonstrieren half nichts. Fast 200.000 Menschen gingen auf die Straße letzten Samstag, um gegen die EU-Urheberrechtsreform und ihre Upload-Filter zu demonstrieren – echte Menschen, keine Bots und schon gar nicht gekaufte Demonstranten. 

Das Ergebnis im EU-Parlament hätte anders ausfallen können. Es war sehr knapp und hinterher stellte sich heraus, dass einige Abgeordnete versehentlich falsch abstimmten. 

Die Wortführerin der Gegner, die Piratin Julia Reda, ist aus ihrer Partei ausgetreten und wirft ihrem Büroleiter vor, die Wahl verbockt zu haben. 

Bei dieser Reform gibt es nur Verlierer. Die Wut auf die Politiker und deren Verunglimpfungen ist groß kurz vor der Europawahl, die Reform hat schlimmere Auswirkungen als wir ahnen und geistiges Eigentum wird damit alles andere als gut geschützt. 

 

Digitales Leben

Apple versucht eine Services Company zu werden. Neue Streaming-Dienste, Zeitschriften- und Games-Abos, eigene TV-Serien und eine Apple-Kreditkarte sollen alternative Geschäftsmodelle zur Hardware aufbauen. Die Apple Watch kann jetzt auch Herzprobleme erkennen. 

Die Versteigerung der 5G-Frequenzen läuft auf vollen Touren, inzwischen ist die Milliardenmarke geknackt.

Die Kooperation zwischen der deutschen Polizei und Amazon ist dem obersten Datenschützer ein Dorn im Auge. Die Aufnahmen der Bodycams der Beamten werden teilweise in der Amazon-Cloud gespeichert, aber der Innenminister sagt „passt scho“.

Facebook reagiert endlich gegen rechtsradikalen Rassismus. Nach dem Attentat von Christchurch hat die Plattform „Lob, Unterstützung und Präsentation“ von „weißem Nationalismus“ und „weißem Separatismus“ verboten. Zur Europawahl will Facebook die Wahlwerbung strenger kontrollieren.  

BMW baut eine Datenplattform für 230 Petabyte auf. Bis Ende des Jahres sollen darauf die Aufzeichnungen aus 5 Millionen Kilometern Fahrdaten von 140 autonomen Testfahrzeugen darauf gespeichert werden, und das ist erst der Anfang. 

 

Zu guter Letzt…

Eine Peep-Show der besonderen Art haben vier Südkoreaner übers Internet im Live-Abonnement angeboten. Dazu hatten sie 42 Zimmer in 30 kleineren Hotels in Seoul mit versteckten Kameras verwanzt und mehr als 1600 Hotelgäste heimlich gefilmt. Es ist kein Einzelfall: Die illegale Verbreitung von den Intimbereich Dritter betreffenden Videoaufnahmen ist ein ernsthaftes Problem in Südkorea. 

Digitale Agenda kw12 / 2019

 

Showdown um Upload-Filter

Vor der Abstimmung im EU-Parlament über die neue EU-Urheberrechtsreform nächsten Dienstag und vor dem Aktionstag am 23. März hat sich der Widerstand gegen Upload-Filter eindrucksvoll artikuliert.

Die Kanzlerin will sie trotzdem durchdrücken, angetrieben von einem Kompromiss mit Frankreich.

 

Digitales Leben

Die 5G-Auktion hat begonnen. Ein letzter Versuch der Netzbetreiber, die Versteigerung zu verschieben, ist gescheitert. Unterdessen nähert sich die EU einer europäischen Lösung mit China, um Huawei als Ausrüster zuzulassen. Im Gegenzug soll China seinen Markt öffnen.

Hunderte Millionen Facebook-Passwörter lagerten unverschlüsselt und für Tausende Mitarbeiter zugänglich jahrelang auf internen Servern des Unternehmens. Facebook bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht des Security-Forschers Brian Krebs. Die EU-Justizkommissarin hat Nutzer zum Facebook-Boykott aufgerufen.

Den Anfang vom Ende der Spielkonsolen haben Microsoft und Google eingeläutet. Microsoft hat neulich im eigenen Campus einen Streaming-Dienst demonstriert, diese Woche hat Google seine Streaming-Plattform Stadia vorgestellt. Gamer brauchen ab Ende 2019 nur noch Internet und einen Controller.

Weitere Milliardenstrafe für Google. Knapp 1,5 Milliarden Euro muss der Konzern an die EU zahlen, weil er seine Vormachtstellung bei Online-Werbung missbraucht haben soll. Es ist bereits die dritte Strafe in zwei Jahren, nach den 2,42 Milliarden in 2017 und 4,37 Milliarden letztes Jahr. 

Facebook will eigene Kryptowährung einführen. Die Nutzer sollen sie für grenzüberschreitende Zahlungen untereinander verwenden können und sie soll im gesamten Facebook-Imperium gültig sein, also auch für WhatsApp und Instagram.

 

Zu guter Letzt…

Die Startup-Pitches von Facebook, Airbnb, LinkedIn und anderen Internet-Schwergewichten hat Piktochart zusammengestellt. Die insgesamt 30 Präsentationen geben tiefe Einblicke in Argumentation, Schwerpunkte und angepeilte Ausrichtungen der Firmen. Pikant: Facebook hatte 2004 keine richtige Präsentation, weil es sich als Medium verstanden hat (heute ist es eine Plattform). Seinen ersten Investor hat es mit Mediadaten überzeugt.