Schlagwort-Archive: Upload-Filter

Digitale Agenda kw42 / 2019

 

Halle-Nachbeben

Sind Ego-Shooter potenzielle Massenmörder? Diesen Eindruck könnte man bekommen bei den Äußerungen von Horst Seehofer über mögliche Konsequenzen aus dem Anschlag von Halle. Nicht schon wieder diese Debatte, meint nicht nur die ZEIT, sondern auch Experten und sogar Markus Söder. 

Mehr Überwachung – darauf laufen die Vorschläge des Innenministers und der Union hinaus. Und natürlich ist die Forderung nach Hintertüren in der Messenger-Verschlüsselung wieder dabei. 

Immerhin einige Lichtblicke: Das EU-Parlament wehrt sich gegen Upload-Filter bei Terrorverdacht und die SPD will einen Maßnahmenkatalog erarbeiten, der vor allem auf Social-Media-Plattformen abzielt.

 

Digitales Leben

Das Smartphone als Personalausweis soll im Rahmen von Pilotprojekten demnächst in Nordrhein-Westfalen und Thüringen genutzt werden können. Deutschland hat in Sachen E-Government noch viel aufzuholen.

Die Digitalisierung erschafft menschenrechtsfreie Zonen, sagt ein neuer UN-Bericht. Die Privatisierung und Automatisierung der Sozialsysteme erzeugt Diskriminierung, warnt seit längerem auch Algorithmwatch.   

Bundesregierung hält an Huawei fest. Kein Anbieter soll beim Ausbau des 5G-Netzes außen vor bleiben, heißt es vom Innenministerium. Ohne Huawei würde der Ausbau massiv verzögert.

Immer mehr Behörden kommen ins Visier der Hacker, sagt der neue BSI-Lagebericht. Allein in deutschen Regierungsnetzen wurden in einem Jahr etwa 770.000 infizierte E-Mails abgefangen.

Libra startet mit Hinternissen. Viele der ursprünglichen Partner von Facebooks Kryptowährung sind abgesprungen, darunter Paypal. Regierungen weltweit äußern Bedenken, aus gutem Grund. 

Chrome und Firefox sollen Internet-Provider umgehen. DNS over HTTPS (DoH), heißt das Verfahren, das das Surfverhalten der Nutzer von den Providern geheim hält, wogegen letztere natürlich Sturm laufen. 

 

Zu guter Letzt

Das erste Smartphone ‚made in Africa‘ kommt aus Ruanda. Der ehemalige Krisenstaat erlebt derzeit einen ungeahnten Aufschwung und lockt ausländische Investoren an. Hersteller des Handys namens Mara ist ein panafrikanisches Unternehmen mit Sitz in Dubai. Mit Geräten wie dem neuen Google Pixel 4 kann es nicht mithalten, dafür kostet es weniger als 200 Euro. 

Digitale Agenda kw22 / 2019

 

Wahl-Nachwehen

Einen Fettnapf-Marathon nennt Sascha Lobo das, was sich die CDU nach dem YouTube-Video von Rezo nach der Europawahl leistete. Dabei hatte Rezo nichts weiter getan, als Union und SPD mit den Ergebnissen ihrer Politik zu konfrontieren. 

Ein gutes Beispiel für digitalen politischen Journalismus ist das Rezo-Video auch für Springer-Chef Matthias Döpfner. Leitartikel in Zeitungen seien schließlich auch „nicht weniger zugespitzt oder einseitig“.

Die Politik ist lernfähig, aber langsam. Ausgerechnet die CSU lernt als erste dazu, stellt die Print-Ausgabe ihres Parteiorgans Bayernkurier ein und will auf digitalen Medien mehr junge Leute erreichen. Geld für Facebook-Werbung geben die Parteien ohnehin schon aus.   

 

Digitales Leben

Das Innenministerium will Zugriff auf alles. Messenger-Dienste wie Whatsapp sollen verpflichtet werden, die Kommunikation ihrer Kunden mitzuschneiden und sie bei Bedarf den Behörden weiterzugeben. Auch die PCs von Journalisten sollen künftig gehackt werden dürfen. 

USA wollen die Telekommunikation in Europa abhören. Die EU-Kommission will ein Abkommen mit der US-Regierung verhandeln, das Internet-Anbieter mit Sitz in der Europäischen Union zu mehr Kooperation mit US-Behörden zwingt.

Polen klagt gegen das EU-Urheberrecht. Die Regierung in Warschau sieht durch die umstrittene Reform die europäischen Grundwerte durch „vorbeugende Zensur“ gefährdet und hat beim Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht.

Ein Netz aus 12.000 Satelliten will SpaceX, das andere Unternehmen von Tesla-Chef Elon Musk, um die Erde spannen, um mit einem Netz namens „Starlink“ die Kommunikation zu revolutionieren. Die ersten 60 Satelliten sind seit dieser Woche im All.

Huawei auch as der IEEE ausgeschlossen. Die USA verschärfen ihren Wirtschaftskrieg gegen den chinesischen Konzern. Derweil macht sich Huawei-Gründer Ren über Trump lustig. 

 

Zu guter Letzt …

Hacker-Waffe der NSA legt Baltimore lahm. Eines der „verloren gegangenen“ NSA-Werkzeuge ist bei Hackern gelandet und wird als Basis für Ransomware genutzt. Das Netz der Stadtverwaltung wurde damit gekapert und soll erst wieder freigegeben werden, wenn die Stadt 100.000 Dollar in Bitcoin zahlt. 

Digitale Agenda kw16/kw17 / 2019

 

Terroristische Inhalte

Binnen einer Stunde müssen Plattformen wie Facebook oder YouTube Inhalte löschen, die von den Behörden als „terroristisch“ angezeigt werden, beschloss das EU-Parlament. Abgelehnt hat es aber die Verwendung von „proaktiven Maßnahmen“ zu diesem Zweck, also Upload-Filter. 

Etwa 6.000 solcher Löschanfragen gab es in den letzten sechs Monaten vom BKA, den Ersuchen wurde seitens der Plattformbetreiber zu 84 Prozent entsprochen. 

Ob es langfristig tatsächlich manuell funktionieren kann, bleibt aber noch zu beweisen. Facebook musste das Video der Anschläge von Christchurch 1,5 Millionen Mal löschen – in den ersten 24 Stunden. 

Und technische Lösungen sind nicht zuverlässig, wie der Brand von Notre Dame bewies. Live-Übertragungen des Brandes verwechselte der YouTube-Algorithmus mit den Anschlägen vom 11. September.  

 

Digitales Leben

Samsung erlebt ein Debakel mit seinem Falt-Handy. Samsung musste den Start des Galaxy Fold verschieben, nachdem die Displays der Testgeräte reihenweise kaputt gingen. Das Handy scheint in seiner jetzigen Form nicht alltagstauglich zu sein. 

5G-Auktion ist ein Vorbote künftiger Funklöcher. Die Netzbetreiber geben für den Kauf der 5G-Frequenzen so viel Geld aus, dass ihnen hinterher das Budget für einen vernünftigen Ausbau des Funknetzes fehlt – genau wie bei der letzten 3G-Auktion. 

Regierung weiß nicht wohin mit dem KI-Budget. Von den versprochenen 3 Milliarden bis 2025 sollen nur 500 Millionen tatsächlich frisches Geld sein, der Rest soll anderswo eingespart werden. Davon sollen dieses Jahr 50 Millionen ausgegeben werden, aber die Ministerien wissen nicht, wofür genau. 

Fluggastdaten-Überwachung liefert nur falsche Ergebnisse. Jedem Treffer für einen Verdächtigen stehen 400 False Positives gegenüber, was einer Fehlerquote von 99,7 Prozent entspricht. Die falschen Ergebnisse werden vom BKA manuell geprüft. Die Überwachungsbehörde hat noch 500 Stellen zu besetzen. 

Keine Woche ohne Facebook-Skandal. Die Plattform griff Millionen E-Mail-Adressen unerlaubt ab, außerdem lagen Millionen Instagram-Passwörter unverschlüsselt herum. Facebook rechnet mit einer Milliardenstrafe, die aber sein Cash-Polster nicht allzu sehr strapazieren dürfte. 

 

Zu guter Letzt …

Unitymedia darf private Router als Hotspots nutzen. Der Kabelnetzbetreiber hat die Router seiner Kunden mit der Fähigkeit ausgestattet, ein zweites WLAN bereitzustellen, das vom Betreiber als Hotspot angeboten werden kann – ohne jegliche Kompensation für die Kunden. Letztere können aber immerhin widersprechen, urteilte der Bundesgerichtshof. 

Digitale Agenda kw14 / 2019

 

Sicherheit und Überwachung

Den Staatstrojaner für den Verfassungsschutz will Innenminister Seehofer freigeben und hat dies in einem Gesetzentwurf zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts gepackt – sehr zum Ärger der SPD. 

Auch der BND soll den Staatstrojaner einsetzen und seine Dienste allen deutschen Behörden anbieten dürfen. Das würde den Staatstrojaner für alle verfügbar machen und seinen Einsatz der öffentlichen Kontrolle entziehen.  

Außerdem soll das BSI in Zukunft hacken dürfen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll nicht nur Cyber-Gefahren abwehren, sondern Sicherheitslücken auch selbst ausnutzen dürfen. 

Das alles macht Massenüberwachung à la NSA möglich. Letztere hortet inzwischen so viele Daten, dass sie  Künstliche Intelligenz für die Sicherheitsüberprüfung von Geheimnisträgern einsetzen will.  

 

Digitales Leben

Barley will Korrekturen bei Upload-Filtern. Die Justizministerin will zwar der EU-Urheberrechtsreform im EU-Rat zustimmen, aber in einem Zusatzprotokoll festhalten, dass Upload-Filter nur für „marktmächtige“ Plattformen wie Facebook in Frage kommen sollen. 

Der Facebook-Chef fordert weltweit einheitliche Regeln für die Sperrung von Inhalten, Wahlmanipulation, die Portierbarkeit persönlicher Daten und für den Datenschutz. Seine „Gedanken“ kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe nach einer Zerschlagung von Facebook immer lauter werden, sind nicht sehr glaubwürdig und die Absicht dahinter mehr als offensichtlich.                    

Unterdessen gibt es noch zwei Facebook-Skandale. Die Algorithmen für das Anzeigen von Werbung betreiben Diskriminierung im großen Stil und der Konzern speichert Nutzerdaten auf öffentlichen Servern. 

Hackerangriff auf Bayer. Der Konzern soll von der vermutlich aus China stammenden Hackergruppe Winnti ausspioniert worden sein. Die Hacker sollen vor allem „Systeme an der Schnittstelle vom Intranet zum Internet sowie Autorisierungssysteme“ im Auge gehabt haben. 

Häftlinge trainieren Algorithmen. Das finnische Start-Up Vainu, das Arbeitskräfte und Dienstleister weltweit vermittelt, lasst seine Unternehmensdatenbank mitunter durch Häftlinge auf den neuesten Stand halten und dabei auch die eigenen Algorithmen mit Erkenntnissen füttern.

 

Zu guter Letzt…

Apple hat vor den Grenzen der Physik kapituliert und die Entwicklung seiner 2017 angekündigten Ladematte eingestellt. Auf der Matte sollten bis zu drei Geräte gleichzeitig drahtlos aufgeladen werden können, doch Apple hat nach der Ankündigung offenbar so große Probleme mit unangenehmen Nebeneffekten beim Laden gehabt, dass das Gerät nun komplett eingestampft wird.