Schlagwort-Archive: Vivaldi

Digitale Agenda kw14

 

Panama Papers

Mossack Fonseca zu hacken muss einfach gewesen sein. Über längere Zeit ungepatchte Content-Management- und -Mail-Systeme ebneten Hackern den Weg zum Download eines 2.6 TByte großen Archivs, wie ein Experte auf Forbes.com schildert (Deutsch auf Golem.de).

Das war vor anderthalb Jahren. Seit Sonntag Abend bestimmen die Panama Papers die Schlagzeilen.

Doch wer waren die Hacker, in wessen Auftrag handelten sie und welche Interessen verfolgen sie? Nach welchen Kriterien berichten die beteiligten Medien und worüber berichten sie nicht? Warum wird nicht das komplette Archiv öffentlich gemacht?

Es ist die am besten inszenierte Enthüllung in der Geschichte des Journalismus, aber sie wirft fast mehr Fragen auf als die Fakten, die sie enthüllt. Die wirtschaftlichen Interesse der Medien (Auflage, Klicks) sind nachvollziehbar, doch Vorgehensweise und Inszenierung hinterlassen einen schalen Nachgeschmack (SpiegelCraig MurraySascha Lobo).

Es könnte die letzte Inszenierung dieser Art sein. Sollte die neue EU-Richtlinie über den Schutz von Geschäftsgeheimnissen nächste Woche tatsächlich im EU-Parlament durchgewinkt werden, wird es Journalisten in Zukunft kaum möglich sein, Material von Whistleblowern anzufassen, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen (Netzpolitik.org).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie man externe Dienstleister auditieren kann, erklären David Geer und Simon Hülsböhmer auf CIO.de. Die immer häufiger aufkommenden Angriffe über angebundene Zulieferer und Dienstleister machen ein Security Audit zur Pflicht.

Wie Mitarbeiter die Digitalisierung erleben, hat das Beratungshaus Ernst & Young untersucht. Als Jobkiller wird sie überraschender Weise kaum wahrgenommen, für viele bedeutet sie aber erstmal mehr Stress (Computerwoche.de).

Was taugt das kleine iPad Pro als Arbeitsgerät? Es ist schon mal besser als die 12,9-Zoll-Version, findet Die Zeit. Und arbeiten kann man damit auch ganz gut, schreibt die Computerwoche – wenn man bereit ist, sich auf die Post-PC-Ära einzustellen.

Der Cloud App Security Service von Microsoft ist ans Netz gegangen und allgemein verfügbar. Mit dem Service können Unternehmen ihre Cloud-Anwendungen überwachen und absichern (silicon.de).

Wie wird Business-Kommunikation künftig aussehen? E-Mail ist und bleibt auch in der nächsten Zeit das Mittel der Wahl, glaubt der Deutschland-Chef von IDC. Die Mehrkanal-Kommunikation, wie sie heute propagiert wird, sorgt aber demnächst für eine gründliche Umstellung (Computerwoche).

Den Browser neu erfinden wollte der Gründer von Opera, nachdem er sein Unternehmen verkauft hatte. Sein neues Produkt, Vivaldi, liegt nun in Version 1.0 vor und die Kollegen von Golem.de zeigen sich beim Test vom Browser sehr angetan.

Das erste Virtual Reality Kino eröffnet in Berlin. Deutschlands erstes ’VR Cinema’ lässt am 14. April zuerst die Presse in den Saal und will danach allen Besuchern „eine völlig neue Kino-Erfahrung“ bieten. Die Zeit hatte im Januar eine Vorverison des VR-Kinos getestet.

    

Zu guter Letzt …

Google will seine Geschworenen nicht googeln, versprach der Suchmaschinenkonzern im Vorfeld des Prozesses gegen Oracle. Man wolle nichts tun, um die Geschworenen in irgend einer Form von außen zu beeinflussen. Schwer zu glauben bei einem Verfahren, bei dem es um eine Streitsumme von 9,3 Milliarden Dollar geht (heise.de).

Digitale Agenda kw05

 

Kampf um den Datenschutz an allen Fronten

Privatsphäre gegen Online-Werbung und Geheimdienste – so ungefähr lässt sich die Frontlinie beschreiben, an der diese Woche am heftigsten gekämpft wurde. In Deutschland gehörten die Schlagzeilen eindeutig Facebook: Seine neuen Nutzungsbedingungen, denen man ab heute bereits durch das Login automatisch zugestimmt hat, erlauben dem Netzwerk, auf unser gesamtes Surfverhalten im Web zuzugreifen (Details auf Süddeutsche.de, Radio-Interview mit dem ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar auf Bayern2).

Den Datenschutz im großen Stil reformieren will Bundesjustizminister Heiko Maas und beklagt in einem Gastbeitrag auf Zeit.de, dass es derzeit „mit der Datensouveränität oft nicht weit her ist“. Das 20 Jahre alte, „aus der Bronzezeit des Internet“ stammende Datenschutzrecht soll durch eine neue EU-Datenschutzverordnung ersetzt werden. Maas freut sich, dass die Verhandlungen darüber endlich wieder in Gang gekommen sind – nur: Glaubt man einem Dokument über den Stand der Verhandlungen, positioniert sich ausgerechnet Deutschland gegen einen schärferen Datenschutz (Details auf Digitalcourage.de).

Auf einen langen Kampf bereitet man sich auch in den USA vor. So nennt die Electronic Frontier Foundation (EFF) auf ihrem Blog 8 Maßnahmen, mit denen NSA & Co. ein Riegel vor der Privatsphäre der Bürger vorgeschoben werden soll, und verschweigt dabei nicht, dass es ein langer harter Kampf auf politischer, juristischer, industrieller und aufklärerischer Ebene sein wird. Unerwartete Unterstützung bekommt sie ausgerechnet von der US-Handelsbehörde, deren Vorsitzende in der New York Times einen besseren Datenschutz für mobile Geräte fordert.

Unterdessen positioniert sich die NSA als Freund und Helfer der Industrie: In einem neuen Bericht (PDF) gibt sie Unternehmen Empfehlungen, wie sie sich gegen Malware schützen können, die es auf ihre wertvollen Firmendaten abgesehen haben.

Die chinesische Regierung macht lieber genau das Gegenteil. Wie die New York Times berichtet, fordert sie seit neuestem von ausländischen Technologiefirmen, die Geschäfte mit chinesischen Banken machen, den Source-Code ihrer Software auszuhändigen und Hintertüren in allen Hardware-Produkten bereitzustellen.

 

IT-MANAGEMENT

Windows 10 lässt noch viele Fragen offen, findet Heinrich Vaske in der Computerwoche. Zwar soll es die stark fragmentierte Windows-Welt (von XP bis Windows 8) wieder vereinen, doch wie genau das Modell „Windows as a Service“ funktionieren und wie die Rechnung für den Anwender aussehen soll, hat Microsoft noch nicht verraten. Auch das „dynamische Upgrade-Verfahren“, nach dem die Anwender das Upgrade-Tempo selbst bestimmen können, bleibt noch nebulös. Auf dem Weg von der aktuellen Volumenlizenz hin zu Cloud-tauglichen Lizenzmodellen müssen noch viele Fragen geklärt werden.

Jedes dritte Unternehmen ist nicht für den EU-Datenschutz fit. So lautet das Ergebnis einer Studie (PDF) des Security-Dienstleisters FireEye. Auch wenn die endgültige Fassung der EU-Grundverordnung erst im Laufe dieses Jahres veröffentlicht wird, eine Reihe von Maßnahmen in Hinsicht auf Sicherheit und Compliance, wie das Melden von Datenlecks binnen 72 Stunden, sind schon definiert. Was den Unternehmen vor allem fehlt, sind detaillierte Informationen und eine adäquate Beratung bei dieser Aufgabe. Zusammenfassung auf Silicon.de.

 

TECHNIK

IBMs Identity Mixer schützt persönliche Daten. Eine „Authentifizierung ohne Identifizierung“ bietet ein neues Verfahren von IBM. Identity Mixer verrät dem Dienst, in den man sich einloggen oder von dem man etwas kaufen will, nicht mehr, als er für einen bestimmten Vorgang braucht. Beispielsweise muss ein Vierzehnjähriger, der einen bestimmten Film im Web anschauen will, lediglich nachzuweisen, dass er älter als zwölf ist und evtl. den Film bezahlen. Mit Identity Mixer bekommt der Filmverleih nur einen entsprechenden Nachweis und sein Geld – aber keinerlei Informationen über die Identität seines Kunden. Details auf Silicon.de, Demo auf IBMs Bluemix-Portal.

Amazon bringt E-Mail-Dienst für FirmenWorkmail soll als Alternative zu Microsoft und Google eine Exchange-kompatible E-Mail-Plattform bieten, die kostengünstig aber voll businesstauglich ist. Für 4 Dollar im Monat pro Nutzer kann Workmail Client-seitig mit Outlook, Apple Mail sowie auf mobilen Geräten mit allen Clients betrieben werden, die Exchange ActiveSync (EAS) unterstützen. Momentan ist der Dienst als Preview verfügbar, in Betrieb gehen soll er im zweiten Quartal. Details auf Computerwoche.de.

Vivaldi – ein neuer Browser für Power-User. Der Gründer und ehemalige Chef von Opera blieb seinem Metier treu und brachte jetzt eine erste Technical Preview seines neuen Browsers heraus. Vivaldi basiert auf Googles Chromium-Engine, ist jetzt schon gespickt mit interessanten Features und soll bei seinem ersten richtigen Release durch Chrome-Plugins erweiterbar sein und einen integrierten E-Mail-Client besitzen (Details auf Heise.de).