Schlagwort-Archive: Vorratsdatenspeicherung

Digitale Agenda kw50

 

Das europäische Internet nimmt Gestalt an

Es wurde auch langsam Zeit. Offensichtlich haben die Urteile des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung und zu Safe Harbor die EU-Kommission dazu bewogen, etwas Ordnung ins europäische Politiker-Neuland Internet zu bringen.

Ein neues europäisches Sicherheitsgesetz wurde am Dienstag von EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament beschlossen. Die Richtlinie soll den Schutz der Daten-Infrastruktur in den 28 Mitgliedstaaten vereinheitlichen (Süddeutsche).

Die einheitliche Nutzung von Online-Inhalten quer durch alle EU-Länder soll eine Verordnung regeln, die Mittwoch vorgestellt wurde. Demnach sollen Online-Inhalte, die in einem Land gekauft wurden, ab 2017 in allen EU-Ländern abspielbar sein. Heute ist das oft nicht möglich (Spiegel).

Europäische Nutzerdaten sollen vor US-Zugriff besser geschützt werden – zumindest will sich EU-Justizkommissarin Věra Jourová dafür stark machen. Für das Nachfolgeabkommen von Safe Harbor fordert sie ein „System von Vertrauen und Kontrolle“ (FAZ).

Eine Charta der digitalen Grundrechte forderte unlängst EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Einen ersten Entwurf dafür lieferte ihm gestern sein Parteikollege, Bundesjustizminister Heiko Maas, in der Zeit.

Das Thema Vorratsdatenspeicherung ist allerdings trotz entsprechendem Urteil des EuGH noch lange nicht gegessen. Einer Reihe interner Dokumente des EU-Ministerrats zufolge wollen die Innenminister die Massenspeicherung von Nutzerdaten auch ohne konkreten Anlass durchsetzen (Zeit).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT 

In einer neuen Gehaltsstudie für Projektmanager in Deutschland und Österreich (PDF) ermittelte der GPM-Verband Einstiegsgehälter von 60.000 Euro und Spitzengehälter jenseits der 100.000 Euro.

Cloud Computing funktioniert gut, solange es keine Probleme mit Verträgen, ISO-Normen und der rechtlichen Absicherung gibt, schreibt Stephan Krische vom Bundesverband der IT-Sachverständigen im Cloud-Computing Insider. Sobald jedoch Sturm aufzieht, kann es schnell teure Schäden geben.

Die Kommerzialisierung des Cybercrime ist auch hierzulande weit fortgeschritten, schreibt Jürgen Hill in der Computerwoche. Die deutsche Crimeware-Szene zählt inzwischen rund 70.000 registrierte Mitglieder.

Mozilla sucht noch seine Rolle im mobilen Zeitalter. Die Organisation hinter Firefox scheint derzeit ihre Prioritäten neu zu setzen (Zeit) und hat angekündigt, das Smartphone-Betriebssystem Firefox OS ad acta zu legen (Zeit). Auch der E-Mail-Client Thunderbird soll lieber woanders weiterentwickelt werden (heise.de). Neu hinzugekommen ist Focus für iOS, ein Ad-Blocker, der auch Tracking wirksam abstellen kann (heise.de).

Google stellt seinen ersten Quanten-Computer vor. Er steht im Nasa-Forschungszentrum und hat schon mal ein erstes Benchmark gesetzt: Er rechnet bis zu 100 Millionen Mal schneller als konventionelle Binär-Computer. Als nächstes soll er lernen, mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten (Spiegel).

Ein Android-Tablet, das versucht, ein Notebook zu sein, ist Googles Pixel C. Allerdings ohne viel Glück. Die Hardware mag eindrucksvoll sein (Spiegel), doch die Kollegen von Ars Technica bringen es auf den Punkt: Hardware war nie Androids Problem. Es ist die Software, die nicht wirklich für produktive Arbeit geschaffen ist. Deswegen ziehen deutsche Profi-Nutzer vorerst das Notebook dem Tablet vor (Computerwoche).

 

Zu guter Letzt …

Der Erfinder des Bitcoin wurde enttarnt – mal wieder. Niemand weiß wirklich, wer sich hinter dem Namen Satoshi Nakamoto verbirgt. Jetzt wollen die US-Medien Gizmodo und Wired herausgefunden haben, dass es der australische Entrepreneur Craig Wright ist. Es bleiben Zweifel, doch die Geschichte liest sich spannend wie ein Agententhriller (Zeit).

Digitale Agenda kw22

 

Die Vorratsdatenspeicherung nimmt einen neuen Anlauf

Allen Bedenken und Warnungen zum Trotz hat die Bundesregierung das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung durchgewinkt, nun darf es im Bundestag beraten werden. Ob es hier durchkommt, ist allerdings nicht sehr sicher. Innerhalb der SPD formiert sich breiter Widerstand (Süddeutsche).

Das neue Gesetz geht viel weiter als das letzte. Zwar werden Daten nur zehn Wochen gespeichert und sind nur mit einer richterlichen Verfügung einsehbar, doch niemand mehr ist vor ihm sicher. Ärzte, Anwälte und Journalisten verlieren das Recht auf Berufsgeheimnis, Verfasser von Berichten über Missstände bei Firmen und Behörden (Whistleblower) machen sich strafbar (Zeit.de).

Dem Gesetz droht das gleiche Schicksal wie seinem Vorgänger, das vom Verfassungsgericht kassiert wurde. Entsprechende Klagen wurden bereits angekündigt. Auch seine Konformität mit EU-Recht ist nicht gewährleistet. Die EU-Richtlinie dazu wird gerade neu entworfen, die letzte hatte der Europäische Gerichtshof kassiert.

Eigentlich sind alle gegen dieses Gesetz, nicht nur Datenschützer und Bürgerrechtler (Spiegel). Der Industrieverband der Internet-Wirtschaft eco rechnet mit 600 Millionen Euro an Mehrkosten für die betroffenen Unternehmen und zweifelt an der technischen Machbarkeit, der IT-Verband Bitkom fordert eine Erstattung der anfallenden Mehrkosten.

Braucht es dieses Gesetz überhaupt? Nicht nur die Aufklärungsstatistiken sprechen dagegen. Auch Justizminister Maas konnte bei der Vorstellung des Gesetzes auf diese Frage nur so antworten: „Die Notwendigkeit kann ich nicht beweisen.“ (Netzpolitik.org)

 

IT-MANAGEMENT

Wie ein Security-Audit nach ISO 27001:2013 abläuft, beschreiben zwei Manager des TÜV Rheinland in einem Artikel auf Computerwoche.de. Das neue Verfahren ersetzt die Norm von 2005 und ist ab Oktober 2015 Pflicht.

Mittelständler sind mit der neuen IT überfordert, sagt eine neue Studie von Barracuda Networks, für die über 600 IT-Manager in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragt wurden. Resultat ist, dass die Infrastruktur in Sachen Compliance, Netzwerk und Konnektivität meist Lücken aufweist (Compliance-Magazin.de).

Wie man Social Media im Unternehmen effektiv nutzt, zeigt ein Ratgeber des Bitkom, der jetzt in einer aktualisierten Fassung neu aufgelegt wurde. Zwar setzen bereits drei Viertel der deutschen Unternehmen Social Media ein, sind aber meist unsicher, welche Art von Engagement für sie wirklich sinnvoll ist.


Whitepaper: Dokumentation und Abwicklung von Prozessen in der Cloud

Neue Konzepte ermöglichen mittlerweile die einfache Gestaltung, Verwaltung und Abwicklung von Geschäftsprozessen in der Cloud. Solche Lösungen machen zeitraubende Verfahren über E-Mail überflüssig.
Das Booklet von IBM zeigt, wie man mit der Cloud-basierten Lösung „Blueworks Live“ Geschäftsprozesse automatisieren und deren Modellierung und Dokumentation strukturieren kann.


 

TECHNIK

Microsofts digitale Assistentin Cortana kommt auf iPhone und Android, hat Microsoft in einem Blogbeitrag bestätigt. Der Funktionsumfang wird allerdings etwas kleiner ausfallen als auf Windows-10-Geräten (Golem.de).

Einen neuen Ansatz für Security Honeypots bietet der südafrikanische Hersteller Thinkst mit seiner Canary Box. Die Mischung aus Appliance und Online-Service stellt Fallen im Firmennetz auf und meldet dem Admin, sobald ein Eindringling hineingetappt ist (Bericht auf Ars Technica).

Die NAS-Server von Qnap für kleine Unternehmen bekommen dank Virtualization Station jetzt die Fähigkeit, virtuelle Maschinen zu erstellen und zu verwalten, die direkt auf dem NAS installiert sind. Bedienbar sind die VMs über den Browser, Remote Desktop oder lokal über den HDMI-Port (Storage-Insider.de).

 

Zu guter Letzt …

Amazon zahlt endlich Steuern in Deutschland. Mehr als 10 Milliarden Umsatz, ganze 16 Millionen an Steuern zahlte im vergangenen Jahr Amazon in Deutschland. Mit der Ausweisung von Luxemburg als Standort für die Einnahmen aus ganz Europa ist jetzt Schluss (Handelsblatt). Künftig zahlt Amazon seine Steuern auch dort, wo die Umsätze tatsächlich anfallen – so wie die Konkurrenz.

Digitale Agenda kw21

 

Bargeld war gestern 

Deutschland diskutiert die Abschaffung von Bargeld (Handelsblatt), anderswo arbeitet man schon längst an Alternativen. Zwar ist Bargeld im Gegensatz zu vielen elektronischen Verfahren sehr benutzerfreundlich, doch immer mehr Zahlungen werden über PCs und Handys abgewickelt.

Elektronische Zahlungen sollen so einfach werden wie Barzahlungen – so lautet das Ziel bei fast allen Internet-Schwergewichten. Facebook will über den Messenger Zahlungen möglich machen, Square per E-Mail, Snapchat über die eigene App. Das Ziel muss schnell erreicht werden, bevor Apple mit seinem Apple Pay davonzieht.

Im Silicon Valley wird um die Wette in Payment-Technologie investiert. Das drei Jahre alte Startup Stripe schickt sich an, das PayPal der mobile Ära zu werden und hat sich gerade eine Finanzierungsrunde über eine halbe Milliarde Dollar gesichert (t3n.de). Kleinere Firmen wie Ripple werden immerhin mit zweistelligen Millionensummen bedacht (FinTech).

Sogar virtuelle Währungen wie Bitcoin, die vor allem die Notwendigkeit von Zwischeninstanzen wie Banken und Kreditkartenfirmen in Frage stellen, gewinnen langsam an Boden – trotz vieler offener Sicherheitsfragen. Die New Yorker Börse NYSE hat diese Woche sogar einen Bitcoin-Index eingeführt (t3n.de).

Die Antwort der Platzhirsche ließ nicht lange auf sich warten. MasterCard hat mit Send einen neuen Dienst angekündigt, über den Privatpersonen und Firmen Überweisungen tätigen können. Das Verfahren soll Zahlungen extrem einfach machen, Geld soll spätestens nach 30 Minuten auf dem Konto des Empfängers sein.

 

IT-MANAGEMENT

Präventive Sicherheit lohnt sich auch finanziell, behauptet eine neue Studie von Accenture. Unternehmen gewinnen dadurch nicht nur ein Plus an Sicherheit, meist haben sie auch einen besseren Zugang zu neuen Technologien. Das praktische Problem liegt für die meisten Firmen eher darin, dass es nicht genug Security-Experten auf dem Personalmarkt gibt (Computerwoche).

Was agile Methoden wie Scrum und Kanban bringen und wie man sie im Unternehmen einführt, erklären zwei Artikel auf Computerwoche.de. Thomas Schissler beschäftigt sich mit der Firmenkultur, die Agilität möglich macht, Simon Stäuber mit der Frage, ob man dazu unbedingt die Unterstützung des Top-Managements braucht.

 


Whitepaper: Vier Schritte zur Rechnungsautomatisierung

Die Rechnungsbearbeitung zu automatisieren und den Kreditorenprozess zu straffen ist für Unternehmen zwar ein wichtiger Schritt zur Zeit- und Kostenersparnis, aber nur die erste Etappe einer umfassenden Purchase-to-Pay (P2P)-Ausrichtung. Das eBook von Basware zeigt die vier wichtigsten Schritte auf, die ein Unternehmen vor der Automatisierung berücksichtigen sollte.


 

TECHNIK

Windows 10 wird in sieben Versionen erhältlich sein. Welche Features in welcher Version zu erwarten sind, hat letzte Woche Microsoft bekannt gegeben (deutsche Zusammenfassung auf SearchDatacenter.de).

Verschlüsselung ist wieder durch eine Lücke bedroht. Alle Verschlüsselungsverfahren, die das TLS-Protokoll für den Austausch von Schlüsseln verwenden (darunter HTTPS, SSH, IPsec und SMTPS), aber auch die meisten Browser, sind von der so genannten Logjam-Lücke betroffen. Ausführlicher Bericht auf heise.de).

OpenStack mausert sich zur dominierenden Cloud-Plattform, wie mal wieder auf der OpenStack Summit deutlich wurde. Der Zuspruch der Industrie ist enorm und sie arbeitet daran, die Plattform einfacher zu handhaben und Container-fähig zu machen (heise.de). IBM bringt sie sogar in die Public Cloud (silicon.de).

 

Zu guter Letzt …

Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung treibt auch Whistleblower und Betreiber öffentlicher WLANs in die Enge – zumindest wenn es bei dem aktuellen Entwurf bleibt (Zusammenfassung auf Zeit.de). Verfassungsrechtler sehen die Pressefreiheit gefährdet (Netzpolitik.org).

Rassismus ist auch bei Suchmaschinen und Bilderkennung zuhause. Suchbegriffe wie „Nigger House“ oder „Nigger King“ führten bis vor kurzem bei Google zum Weißen Haus und Präsident Obama (Netzwelt), die automatische Bilderkennung von Flickr weist so manchen dunkelhäutigen Mitmenschen als „Affen“ aus (Spiegel). Google hat sich inzwischen entschuldigt, Flickr arbeitet noch dran.