Schlagwort-Archive: WikiLeaks

Digitale Agenda kw21 / 2017

 

Überwachung 

Das neues Personalausweisgesetz sorgt für Unmut bei Datenschützern. Nicht nur werden die elektronischen Funktionen ab jetzt bei Auslieferung standardmäßig aktiviert sein, Polizei und Geheimdienste werden künftig auch massenhaft auf die Passfotos zugreifen können (Zeit).

Außerdem umstritten:
Handys und Datenträger von Asylbewerbern können nach dem neuen „Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht“ künftig vollständig ausgelesen und durchleuchtet werden (Netzpolitik.org).

Das neue Datenschutzgesetz ist verfassungswidrig, sagt ein neues Gutachten des ehemaligen Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, weil die im Grundgesetz verankerte berufliche Privatsphäre von Ärzten und Anwälten nicht gewährleistet ist (Netzpolitik.org).

        

Digitale Welt

Nach welchen Regeln löscht Facebook Beiträge? Die Antwort gibt ein internes Dokument, das dem britischen Guardian in die Hände fiel und die Süddeutsche einsehen durfte. Fazit: Ob Hasstiraden, Holocaust-Leugnung oder Nacktbilder – Facebook kann es nicht allen gleichzeitig recht machen.

Interessant auch: Wie Facebooks Löschzentrum sich von der Öffentlichkeit abschottet.

Berlin bekommt ein Internet-Institut. Fünf Hochschulen sollen künftig über die Folgen des digitalen Wandels forschen – gefördert mit 50 Millionen Euro (Zeit).

Die Ermittlungen gegen Julian Assange seitens der schwedischen Justiz sind eingestellt worden. Eine Anklage hat es ohnehin nie gegeben. Trotzdem muss der WikiLeaks-Gründer weiter in der Ecuadorianischer Botschaft in London ausharren (Zeit).

Die Aufhebung der Netzneutralität in den USA scheint beschlossene Sache zu sein. Die Netzbehörde FCC hat einen Prozess eingeleitet, um die zwei Jahre alten Regeln auszuhebeln (Netzpolitik.org). 2,6 Millionen Protest-Kommentare werden ignoriert (The Verge).

Die Iris-Erkennung des Samsung Galaxy 8, die als besonders sicher gepriesen wurde, ist vom Chaos Computer Club überlistet worden. Ein Forscher ließ eine Kontaktlinse nach seiner eigenen Iris herstellen und klebte sie einfach auf einem Foto von sich (Zeit).

Die Angst, von einer Maschine ersetzt zu werden, gehört für immer mehr Leute zum Alltag. Auf Antworten darauf seitens der Politik wartet man vergebens, obwohl ein Wahlkampf ansteht (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

Die Buchempfehlungen von Bill Gates für diesen Sommer hat t3n.de zusammengefasst. Belletristik wird man auf seiner Liste für den Sommerurlaub vergeblich suchen, doch wer sich für gute Sachbücher interessiert, wird voll auf seine Kosten kommen.

Schweizer Uhrmacher produziert analoge Apple Watch. Die Swiss Alp Watch Zzzz von H. Moser & Cie. ist auf den ersten Blick kaum vom Apple-Original zu unterscheiden – bis auf die immer sichtbaren Zeiger und dem hochwertigen mechanischen Uhrwerk darunter. „Diese Uhr hat keine Benutzeroberfläche“, sagt der Hersteller. Wohl aber Exklusivität und einen ziemlich stolzen Preis.

Digitale Agenda kw10

 

Die CIA im Wohnzimmer

Das Frankfurter US-Konsulat ist eine Hacker-Werkstatt und die CIA steuert von dort aus Aktionen in Europa, im nahen Osten und Afrika, verraten neue Dokumente der Plattform Wikileaks (Zeit). Experten, darunter Edward Snowden, halten die Dokumente für echt.

Das Arsenal von Cyberwaffen ist beachtlich. Die CIA hortet Schwachstellen von allen populären Betriebssystemen und setzt sie gezielt ein (FAZ). Auch intelligente Fernseher und Autos gehören zu den CIA-Zielen – letztere mit dem Potenzial, Attentate zu verüben.

Die gute Nachricht: Firmen wie Google, Apple oder Microsoft werden in den Dokumenten als Ziele geführt, nicht als Kooperationspartner (FAZ).

Von den Enthüllungen profitieren zunächst die Gegner der USA, aber auch Cyber-Kriminelle. Sie erfahren von unbekannten Lücken, lernen neue Methoden kennen und können jetzt auf CIA-Niveau hacken – das ist die eigentliche Katastrophe (FAZ).

Welche Rolle spielt dabei Wikileaks? Zumindest keine besonders kluge, meint Sascha Lobo im Spiegel. Timing und Inhalt der letzten Veröffentlichungen legen den Verdacht nahe, dass sich die Plattform von Trump-Freunden instrumentalisieren lasse.

    

Digitale Welt

Google will KI und Cloud Computing verbinden. Auf seiner Cloud Next-Konferenz hat Google eine Allianz mit SAP angekündigt, neue Cloud-Großkunden wie Ebay und Verizon präsentiert und den Kauf der KI-Plattform Kaggle bestätigt. Googles Vision: Der Speicherort von Daten ist beliebig, die Google-Cloud weiß aber immer damit richtig umzugehen (Quartz).

Microsoft portiert Windows für ARM-Server. Die Version wird vorerst nur auf eigenen Servern auf der Azure-Cloud laufen, doch ARM-basierte Server sind generell stark im kommen (silicon.de).

Quantencomputer für alle. IBM hat letztes Jahr zunächst Wissenschaftlern den Zugriff auf sein neues Flaggschiff gewährt. Jetzt hat der Konzern eine Schnittstelle für interessierte Laien eröffnet (FAZ).

94-jähriger Erfinder des Li-Akkus entwickelt weiter. Mit seiner neuen Technologie könnten sich die Ladezeiten auch großer Akkus von Stunden auf Minuten reduzieren (Süddeutsche).

Uber trickste die Behörden per App aus. „Greyball“ nennt sich das Verfahren, nach dem staatliche Kontrolleure systematisch daran gehindert wurden, in Uber-Taxis zu steigen. Jetzt wird die Software selbst aus dem Verkehr gezogen (Zeit).

Facebook löscht übereifrig historische Fotos, weil sie nackte Menschen darstellen, andererseits halten sich Hasskommentare und neuerdings Werbung für Missbrauchsbilder von Kindern hartnäckig lange. Facebook scheitert immer wieder an der eigenen Ignoranz (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

Wie man mit heißer Luft Geld macht, hat mal wieder ein Startup vorgeführt. Cambridge Analytica hatte im November behauptet, durch seine Profiling-Technologie Trump zum Wahlsieg verholfen zu haben, und war damit in die Schlagzeilen gekommen. Vier Monate nach der Wahl steht fest, dass das Unternehmen weder eine nachweislich funktionierende Technologie noch Kunden hat. Dafür aber einen Gründer, der sich (ähnlich wie Donald Trump) gut in Szene zu setzen weiß (Zeit).

Digitale Agenda kw42

 

Das neue BND-Gesetz

Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht, sagte die Kanzlerin vor knapp drei Jahren. Jetzt sorgt sie mit einem neuen Geheimdienstgesetz, dass genau das völlig legal wird – und noch einiges mehr (Netzpolitik.org).

Der BND wird wie die NSA ausgebaut, bekommt eine Lizenz zum Datensammeln und wird weniger streng kontrolliert. Er darf sogar selbst entscheiden, was er Kontrolleuren verheimlicht. Das ist selbst dem ehemaligen BND-Chef Schindler zu wenig Kontrolle (Süddeutsche).

Das Gesetz wird vom Verfassungsgericht kassiert, davon ist die ehemalige Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger überzeugt (Zeit.de) – und nicht nur sie (Netzpolitik.org). Es ist so offensichtlich verfassungsfeindlich, dass es selbst seine Gegner willkommen heißen (Spiegel.de).

    

IT-MANAGEMENT

User Experience Designer sorgen dafür, dass die Nutzer einer Website oder App genau das tun, was der Betreiber von ihnen möchte, und gehören deswegen zu den meistgesuchten und bestbezahlten Spezies unter den IT-Profis (Computerwoche).

Sechs Missverständnisse rund um Container versucht der Open-Source-Anbieter Red Hat zu klären. Container sind weder neu (CloudComputing-Insider.de) noch ersetzen sie die Virtualisierung, zukunftsweisend sind sie dennoch.

Der Arbeitsplatz aus der Cloud ist auch für den Mittelstand ein Riesenthema, den meisten Firmen aber fehlt noch die passende Strategie und das Know-how (Computerwoche). Vielleicht helfen für den Anfang die fünf Argumente, die Citrix-Chef Dirk Pfefferle aufführt.

Apple erlebt ein Debakel mit seinem iCar. Nach einem US-Bericht (der nicht dementiert wurde) hat der iPhone-Hersteller hunderte Ingenieure entlassen und will vorerst kein eigenes Auto bauen, sondern nur die Intelligenz für selbstfahrende Fahrzeuge (Süddeutsche).

IP-Adressen sind persönliche Daten, hat der Europäische Gerichtshof geurteilt, dürfen aber unter bestimmten Umständen von Website-Betreibern gespeichert werden. So richtig glücklich macht das Urteil weder Datenschützer noch Industrie (silicon.de).

Der WikiLeaks-Gründer hat kein Internet mehr. Der ecuadorianischen Regierung mischt sich Julian Assange zu sehr in den US-Wahlkampf ein (Spiegel). Sascha Lobo fasst den tiefen Fall des weltverschmerzten Assange zusammen.

Der intelligente Stift von Montblanc versucht analogen Luxus mit digitalem Trend zu verbinden. Für 650€ lassen sich handschriftliche Notizen auf Papier direkt aufs eigene Smartphone übertragen. Livescribe kann das schon für rund 175€.

   

Zu guter Letzt …

Nur raus aus dem Großraumbüro! Wer schon mal in einem dieser „seelenlosen Nicht-Orte“ unter penetrantem Neonlicht gearbeitet hat, in denen jeder jedem auf dem Bildschirm schauen kann (und es auch tut), wird am Verriss dieses Bürokonzepts in der ZEIT seine wahre Freude haben.