Digitale Agenda kw27 / 2020

 

Facebook und der digitale Wahlkampf

Facebook wird von Werbekunden boykottiert, weil es sich von Hasspredigern und Rassisten (darunter auch Donald Trump) missbrauchen lässt, lautet der Vorwurf. Mehrere Hundert Konzerne (auch deutsche) sind Teil der Kampagne. 

Die Folgen: Ein Einbruch des Aktienkurses, ein Gelöbnis auf Besserung, Durchhalteparolen nach innen und die Sperrung vieler Konten. 

Im Vorfeld der US-Wahlen wächst der Druck auf Social Media und es gibt immer mehr Löschungen und Deplatforming auch auf Twitter, YouTube, Reddit und anderen. 

Debatte: Ist das noch Schutz der Demokratie oder Zensur im Auftrag von Konzernen?

Auch international wird versucht, Social Media unter Kontrolle zu bekommen, z.B. in der Türkei, Brasilien oder Indien. 

 

Digitales Leben

Grüne wollen Grundrecht auf schnelles Internet. Die Corona-Krise hat die Unmöglichkeit von Homeoffice in vielen Regionen aufgezeigt, jetzt soll Breitband staatsrechtlich garantiert werden. 

Informatikerverband warnt vor Folgen der Corona-App. Das FIfF lobt den Entwicklungsprozess der App, weist aber auf die Folgen für den Datenschutz hin, die noch diskutiert werden sollten. 

Google will Fitbit übernehmen. Der Anbieter von Fitness-Armbändern ist eine Schatztruhe voller Gesundheitsdaten, und die werden immer wertvoller. Mehrere Verbände wollen den Deal verhindern.

Microsoft und Google starten Qualifizierungsprogramme. Die Tech-Konzerne wollen die aktuellen Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt für sich nutzen und neue Fachkräfte für sich gewinnen. 

Falsche Server-Konfiguration gefährdet Webseiten. Eine seit Jahren bekannte Lücke macht auch sensible Kundendaten von außen zugänglich. Zehntausende Unternehmen sind betroffen. 

 

Zu guter Letzt …

Corona-App geht auf vielen Ministeriums-Handys nicht. In mehreren Bundesministerien sind offenbar Diensthandys im Einsatz, auf denen die Corona-Warn-App nicht installiert werden kann, oder weil viele Funktionen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet sind. Da hilft auch kein Update.

Digitale Agenda kw26 / 2020

 

Intel Outside

Macs sollen künftig mit ARM-Prozessoren laufen. Nach 15 Jahren setzt der Hersteller auf eigene CPUs, will aber weiterhin Intel-Kunde bleiben.
→ Das neue Betriebssystem MacOS 11 Big Sur soll auf beiden Plattformen laufen.
→ Intel-basierte Anwendungen (außer Virtualisierungs-Software) sollen auf ARM-Macs dank Rosetta 2 laufen. 

Außerdem neu:
→ Face ID und Touch ID können zur Authentifizierung bei Websites verwendet werden.
→ Apple Pay funktioniert jetzt auch für Girokonten.

Für Missstimmung auf dem Entwicklerkongress WWDC sorgte der Streit um einen Sonderdeal zwischen Apple und Amazon, der Amazon Prime Video bevorzugt behandelt. 

 

Digitales Leben

Facebook muss seine Datensammlung einschränken, urteilte der Bundesgerichtshof im Eilverfahren. Die vom Bundeskartellamt verlangten strengeren Regeln seien sofort umzusetzen.

DSGVO: Gesetz super, Anwendung weniger. Zwei Jahre nach Einführung hat die EU-Kommission viel Lob für das Gesetz übrig, nicht aber für dessen Durchsetzung. Die Industrie hat eher Bauchschmerzen. 

Urheberrechtsreform bringt Uploadfilter Light. Der Entwurf des neuen Urheberrechtsgesetzes schließt Uploadfilter nicht aus, sorgt aber für Streit zwischen CDU- und SPD-Ministerien.

BKA und BND wollen Software-Lücken nutzen. Ein neues Schwachstellen-Management soll den Behörden das Recht einräumen, Software-Lücken zum Abhören zu nutzen, statt sie an die Hersteller zu melden. 

Israelische Spionage-Software gegen Dissidenten. Ein marokkanischer Journalist wurde mit der Software von NSO überwacht, fand Amnesty International heraus, und wandte sich an die Presse.  Nun wurde der Journalist zum Verhör vorgeladen.

 

Zu guter Letzt …

Haben Sie Ihre Hände auch wirklich gut gewaschen? Eine neue KI-Software von Fujitsu kann erkennen, ob Sie auch wirklich gründlich waren, indem Sie sie dabei filmt. Fujitsu kann sich einen Einsatz der Software in der Lebensmittelindustrie vorstellen, hat aber noch nicht endgültig entschieden, wie sie vermarktet werden soll.

Digitale Agenda kw25 / 2020

 

Die App ist da

Die Corona-Warn-App ist seit Dienstag verfügbar, wurde von mehr als 6 Millionen Bürgern heruntergeladen und hat einige davon verwirrt. 

 

Digitales Leben

Das neue Gesetz gegen Hassrede ist verabschiedet, hat aber viele Schwachstellen. Selbst die Industrie moniert, dass „private Unternehmen in die Rolle von Ermittlern und Richtern“ gehoben werden. 

Facebook wiederum will Hassrede durch KI bekämpfen, räumt sich aber das Recht auf Fehler ein oder die Technik einzusetzen, um bei Bedarf Gewerkschaften zu unterdrücken.

Großbritannien und USA tauschen unbegrenzt Daten aus. Ein neues Abkommen zwischen den beiden Staaten bringt EU-Datenschützer auf die Barrikaden und stellt den Datenaustausch mit der EU in Frage. 

Geheimdienste brauchen ein richtiges Kontrollgremium, sagt laut Spiegel eine noch unveröffentlichte Studie. Spätestens seit dem BND-Urteil sei klar, dass es heute nur einen „Flickenteppich“ der Kontrolle gibt.

Milliardenzuschuss für die Mobilfunkbranche. Telekom & Co. sollen mithilfe von 1,1 Milliarden vom Bund endlich die Funklöcher stopfen. 

 

Zu guter Letzt …

Korruption, Philipp Amthor und Massenüberwachung. Der junge CDU-Politiker soll sich für eine neue Firma namens Augustus Intelligence eingesetzt und dafür Aktienoptionen erhalten haben. Das Unternehmen hat noch keine Produkte und keine Umsätze, doch sein Profil erinnert stark an ein berüchtigtes Vorbild. 

Digitale Agenda kw24 / 2020

 

Digitale Aufklärungstechnik

Bei den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA wurden alle vorhandenen Überwachungstechnologien eingesetzt, um Randalierer zu ermitteln, inklusive Militär-Aufklärungsflugzeugen und Drohnen. 

IT-Schwergewichte versuchen nun ihren Ruf zu retten. IBM steigt von der Gesichtserkennung ganz aus, Microsoft unterbricht deren Verkauf an die Polizei und Amazon setzt ihn ein Jahr lang aus.

Die Corona-Pandemie hat neue Überwachungstechniken geschaffen, die auch nach der Pandemie bleiben werden. US-Behörden sprechen schon von „Covid-ähnlichem Tracing von Verdächtigen“, Europol will Tools von Palantir nutzen.

Die Corona-App braucht eine gesetzliche Regelung, mahnt der Bundesdatenschutzbeauftragte in einem Brief an das Gesundheitsministerium. 

 

Digitales Leben

Wenn Internet zu langsam, Geld zurück. Die Regierung arbeitet an einem Gesetzentwurf, in dem ein Recht auf schnelles Internet manifestiert ist, inkl. Maßnahmen gegen Provider. 

Deutschland sperrt sich gegen Informationsfreiheit. Die Regierung will einer neuen Konvention, die den Zugang zu amtlichen Informationen völkerrechtlich sicherstellen will, nicht beitreten.

Schlag gegen illegale Streaming-Seiten. Die Europol hat in einer europaweiten Aktion ein Netzwerk illegaler Streaming-Dienste mit Servern in 13 Ländern abgeschaltet.

Macs bald ohne Intel inside? Gemunkelt wird es schon länger, dass Apple lieber die eigenen Prozessoren nutzen will, ein neuer Bericht facht die Spekulationen wieder an. 

Twitter löscht 170.000 Accounts. Die meisten stammen aus China und sollen Propaganda verbreitet haben. Zoom löscht derweil Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten.

 

Zu guter Letzt …

MSN ersetzt Redakteure durch KI und blamiert sich. Mehr als 50 angestellte Redakteure, die für Themenauswahl und -aufbereitung zuständig sind, sollen Ende des Monats das Nachrichtenportal verlassen – nachdem sie die KI-Algorithmen trainiert haben, die ihren Job übernehmen. Nur können letztere den Job nicht besonders gut.