Digitale Agenda kw37 / 2021

Wettlauf um die KI-Ethik

Künstliche Intelligenz diskriminiert gerne. Das ist seit vielen Jahren bekannt und an Beispielen aus der Kreditvergabe oder dem Arbeitsmarkt mangelt es nicht. Auf rein technischer Ebene lässt sich das Problem kaum lösen, es braucht gesetzliche Leitplanken.

Die EU-Kommission hat einen Rechtsrahmen für vertrauenswürdige KI erarbeitet, aus dem eine Verordnung entstehen soll. Das rief wiederum die Tech-Lobby auf den Plan. Man soll die Risiken von KI nicht überbetonen, sagt beispielsweise Google.

Schneller als die EU hat der internationale Tech-Verband IEEE reagiert. Mit der IEEE 7000 gibt es seit 15. September eine Norm, die intelligente und autonome Systeme ethischer machen soll.

Digitales Leben

Der Chipmangel macht Autohersteller zu schaffen. Skoda produziert 100.000 Autos weniger, Toyota reduziert sein Auslieferungsziel, von der Leyen fordert eine europäische Chipwirtschaft und Infineon eröffnet ein neues Werk in Villach. 

Apple stellt iPhone 13 und neue Watch vor. Ein neuer Prozessor, größere Akkus und ein paar Gramm mehr auf die Waage bringen die neuen iPhones, die Watch bekam ein größeres Display und ist etwas robuster. 

Der 11. September war der Startschuss zum Überwachungsstaat, resümiert Markus Reuter auf Netzpolitik.org. Wer es genau nachvollziehen will, findet eine Übersicht der Gesetze in der Chronik des Überwachungsstaates. 

Ein Patch gegen die Spionage-Software Pegasus ist im neuesten iOS-Update enthalten. Die Lücke wurde von der israelischen Firma NSO ausgenutzt, um Dissidenten, Aktivisten, Journalisten und Politiker auszuhorchen.  

Irland bremst Durchsetzung der DSGVO aus. Für die Kontrolle von Facebook, Google, TikTok und Twitter ist primär die irische Datenschutzbehörde zuständig, und Strenge ist nicht so ganz ihr Ding. 

Zu guter Letzt …

Die Mutter aller Emojis, der weltweit erste digitale Smiley, soll seinem Erfinder die Rente aufstocken. Das digitale Original geht als Non-Fungible Token (NFT) in die Auktion. Die neuesten Emoji-Erweiterungen enthalten übrigens auch einen schwangeren Mann.

Digitale Agenda kw36 / 2021

 

Apples Rückzieher

Apple legt sein umstrittenes Foto-Scanning auf Eis. Nach einem weltweiten Proteststurm hat der Konzern seine Pläne, die Geräte seiner Kunden nach Kinderpornos zu scannen, erstmal verschoben. Edward Snowden hatte zuvor Apples Technik eine Kriegserklärung gegen die Privatsphäre genannt. 

In den USA entsteht dennoch der gläserne Bürger. Viele US-Behörden planen den verstärkten Einsatz von Gesichtserkennung, in Los Angeles müssen Verdächtigte den Zugang zu ihren Social-Media-Accounts herausrücken.

In Deutschland würde Apples Technik gegen geltendes Recht verstoßen, sagt ein Staatsanwalt, der auf Cybercrime spezialisiert ist. Zugleich würden die Grenzen zwischen Industrie und Staat verwischt.

 

Digitales Leben

Regierung beschließt neue Cybersicherheitsstrategie. Das Kaufen und Horten von Sicherheitslücken seitens des Staates ist damit legalisiert. Die Grünen neuen das eine Unsicherheitsstrategie, die FDP lässt auch kein gutes Haar dran. 

Umstrittene Online-Pranger. In Baden-Württemberg können Bürger anonym Steuersünder melden, in Texas Abtreibungshelfer. Das Texanische Portal wurde derweil von Aktivistinnen zum Absturz gebracht. 

Bitcoin in El Salvador als Zahlungsmittel zugelassen. Der Wechselkurs zum US-Dollar bleibt dem Markt überlassen, Zahlungen werden nicht mit Kapitalertragssteuer belastet. Die Einführung war allerdings recht holprig. 

In Singapur patrouillieren schon die Polizei-Roboter. Die ersten zwei Robocops des Pilotprojekts sollen „schlechtes Sozialverhalten“ wie Rauchen, Falschparken oder Verstöße gegen Corona-Auflagen anmahnen.

Die Welt durch die Facebook-Brille. Sie wird von Ray-Ban hergestellt, ist von einer normalen Sonnenbrille kaum zu unterscheiden, nennt sich Ray-Ban Stories, hört auf „Hey, Facebook“  und kann auf Facebook posten.

 

Zu guter Letzt …

Googles Klingel weiß, wer bei Ihnen vor der Tür steht. Die Google Nest Doorbell ist mit maschinellem Lernen ausgestattet, kann Tiere von Menschen unterscheiden und Freunde erkennen, wenn sie deren Gesicht vorher scannen durfte. Außerdem kann sie Falschparker vertreiben. 

Digitale Agenda kw35 / 2021

 

Lobbyismus

Die Tech-Branche ist Lobbyismus-Spitzenreiter. Einer neuen Studie von LobbyControl zufolge lässt sich die Digitalbranche ihre Bemühungen um politische Einflussnahme in Brüssel jährlich fast 100 Millionen Euro kosten.

Spitzenreiter ist Google. Dem Konzern ist die Mitsprache an der EU-Politik 5,75 Millionen im Jahr wert. Google investiert dafür fleißig in Europa, zuletzt eine Milliarde allein in Deutschland. 

Machtbegrenzende Maßnahmen sind seitens der EU eher selten und ob der neue Digital Services Act tatsächlich etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Um einiges aktiver sind einzelne Länder, diese Woche z.B. die USA, Irland und Südkorea.

 

Digitales Leben

Windows 11 kommt am 5. Oktober. Allerdings wird es im ersten Release nicht alle Funktionen enthalten, die im Vorfeld angekündigt wurden, darunter Android-Apps. Dafür sind die Systemvoraussetzungen sehr hoch. 

EuGH will Netzneutralität sicherstellen. Die sogenannten Zero-Rating-Angebote von Telekom und Vodafone sind nicht mit der EU-Verordnung zur Netzneutralität vereinbar, urteilte der Europäische Gerichtshof.

Telekom zieht den Stecker bei De-Mail. Per Gesetz wurde 2011 De-Mail als sicheres E-Mail-Verfahren für die Kommunikation mit Behörden eingeführt. Es wurde nur von wenigen Bürgern genutzt.

Apple mit digitalem Ausweis und Satellitenfunk. US-Bürger werden demnächst ihren Führerschein im Wallet ablegen können. Außerdem sollen Notrufe auch über Satellitenfunk möglich werden.

China geht gegen soziale Unsitten vor. Jugendliche sollen nur noch drei Stunden pro Woche online spielen dürfen. Der 996-Arbeitsmodus (von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, 6 Tage die Woche = 72 Stunden) wurde als illegal erklärt.

 

Zu guter Letzt …

Das hübsche Gesicht des Medizinschwindels kommt vor Gericht. Elizabeth Holmes‘ Start-up Theranos versprach, mittels ein paar Tropfen Blut alle möglichen Krankheiten diagnostizieren zu können. Wir warten immer noch darauf.

Digitale Agenda kw34 / 2021

 

Wahlkampf

Der Wahlkampf findet dieses Jahr digital statt. Angesichts erneuter Einschränkungen konzentrieren Parteien ihre Werbung auf traditionelle Medien und soziale Netzwerke. Der Spiegel hat die Werbestrategien der Parteien auf Facebook, YouTube & Co analysiert.

Was die Parteien im Bereich Digitales anzubieten haben, hat die Stiftung Neue Verantwortung analysiert (Zusammenfassung auf Netzpolitik.de). 

Wer die Programme ungefiltert lesen will: Hier geht’s direkt zu CDU und CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Freie Wähler.

 

Digitales Leben

Massenüberwachung: Regierung speilt auf Zeit. Die Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), wonach Massenüberwachung nur unter Einhaltung von Regeln stattfinden darf, lässt lange auf sich warten. 

Google-Tochter lässt Robotertaxis in San Francisco fahren. Es ist bereits die zweite Stadt in den USA, in der Waymo den Regelbetrieb mit selbstfahrenden Autos aufnimmt, vorerst jedoch zur Sicherheit mit einem menschlichen Begleiter. 

Biden nimmt Tech-Giganten in die Pflicht. Der US-Präsident berief einen Tech-Gipfel mit den Chefs von Apple, Microsoft, IBM und Amazon, um mit ihnen die steigenden Gefahren für die Cybersicherheit zu diskutieren. 

Abmahnungen auf Open-Source-Lizenzen. Auch die Nutzung von Inhalten, die unter Creative Commons-Lizenzen genutzt werden, kann abgemahnt werden, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden. 

Amazon AWS baut eigenen Quantencomputer. Der Cloud Computing-Marktführer hat hierfür ein eigenes Entwicklungsteam angeheuert, dessen Leiter auch schon ein Max-Planck-Institut geleitet hat.

 

Zu guter Letzt …

OnlyFans – alles Porno, oder was? Ende letzter Woche kündigte die Content-Plattform an, ab Oktober keine Inhalte mit „explizit sexuellem Verhalten“ mehr anzubieten. Der Grund: Banken und Kreditkartenbetreiber hatten etwas dagegen. Das Problem: Die Plattform ist Heimat für Tausende unabhängiger Sexworker. Die Lösung: Öffentlicher Druck brachte die Banker dazu, ihre Entscheidung zu revidieren.