Digitale Agenda kw46 / 2019

 

Tech-Konzerne übernehmen

Technologiekonzerne drängen die Banken zurück. Ihren technologischen Vorsprung und die Tatsache, dass sie den direkten Zugang zum Verbraucher haben, nutzen sie, um jetzt auch im Finanzwesen die erste Geige zu spielen. Diese Woche wurde Facebook Pay offiziell vorgestellt. 

Google hat schon 50 Millionen Patientenakten – und das ist erst der Anfang. Google will mit seinem Project Nightingale die Gesundheitsbranche aufmischen, indem es auf Basis der Daten und künstlicher Intelligenz die richtige Therapie vorschlägt.

Apples Kreditkarte unter Beschuss. In den USA gibt es Beschwerden darüber, dass Apple-Partner Goldman Sachs den Kreditrahmen für Frauen viel niedriger setzt als für Männer. Die Bundesregierung verlangt derweil eine Öffnung von Apple Pay.

 

Digitales Leben

Künstliche Intelligenz bekommt einen TÜV. Das Arbeitsministerium will noch dieses Jahr ein KI-Observatorium einrichten, das KI-Produkte, die in Unternehmen zum Einsatz kommen, unter die Lupe nimmt.

Mobilfunkbetreiber wollen gemeinsam Funkmasten bauen. „Funklöcher schließen“, heißt es offiziell, doch fest steht auch: Der 5G-Ausbau braucht viel mehr Masten als heute vorhanden. Die Rede ist von 6.000 neuen Masten.

Tesla will eine neue Fabrik in Brandenburg bauen. Der europäische Markt, deutsche Ingenieurskunst, Hilfe vom deutschen Staat und die Nähe zum neuen Berliner Flughafen waren für Elon Musk die entscheidenden Argumente.

GitHub-Entwickler rebellieren gegen Microsoft wegen seiner Entscheidung, mit der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE zu kooperieren. Der kürzlich gewonnene Milliardenauftrag vom Pentagon wird inzwischen von Amazon gerichtlich beanstandet. 

Fotografieren unter den Rock ist jetzt strafbar. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der heimliches Fotografieren unter den Rock härter bestraft. Bisher waren Betroffene rechtlich wehrlos.

 

Zu guter Letzt …

Das legendäre Motorola Razr kehrt zurück – als Falt-Handy mit großem Display. Für Nostalgiker hat Motorola im neuen Razr einen Retro-Modus versteckt, mit dem die alte Tastatur sichtbar wird. 

Digitale Agenda kw45 / 2019

 

Digitale Medizin

Die Medizin wird in Deutschland digitaler. Das Digitale-Versorgung-Gesetz wurde diese Woche im Bundestag verabschiedet. Teil des Gesetzes ist die Schaffung einer Forschungsdatenbank aller gesetzlich Versicherten. 

Datenschutzrechtlich ist das Gesetz umstritten, auch wenn die digitale Versorgung viele Vorteile bringt. Die Weitergabe anonymisierter Daten an Firmen wird von der Industrie begrüßt, aber sie birgt Gefahren.

Wie wichtig Gesundheitsdaten für die Industrie sind, zeigt auch Googles Übernahme von Fitbit. Google will der Apple Watch etwas entgegensetzen können, hätte aber auch nichts gegen mehr Gesundheitsdaten. Fitbit-Kunden löschen ihre Daten jetzt schon.

 

Digitales Leben

Die erste Millionenstrafe wegen DSGVO-Verletzung muss die (in Berlin verhasste) Deutsche Wohnen zahlen. Der Umgang der Immobilienfirma mit den persönlichen Daten ihrer Mieter war mangelhaft. 

5G ist der Polizei zu sicher – und Huawei dem BND zu unsicher. Deutsche Sicherheitsbehörden wollen eine Möglichkeit, weiterhin abhören zu können, Huawei bietet eine No-Backdoor-Vereinbarung an.

Xerox will HP übernehmen. Nach der Abspaltung von HP Enterprise produziert HP hauptsächlich PCs und Drucker, und die könnten gut zum Xerox-Geschäft passen. 

Alexa & Co lassen sich per Laserstrahl hacken. Security-Forscher haben einen Weg gefunden, intelligenten Lautsprechern und ihren Sprachassistenten heimlich Befehle zu geben – per Light Commands. 

Künstliche Intelligenz hält Einzug in Microsoft Office. Die digitale Assistentin Cortana und andere KI-Tools sollen dem Nutzer bei der Arbeit helfen. Microsoft verspricht absoluten Datenschutz, muss aber wohl erst den Lizenzvertrag ändern.

 

Zu guter Letzt …

Wo sind in Deutschland die größten Funklöcher? Die Ergebnisse ihrer App zur Breitbandmessung hat die Bundesnetzagentur in eine Deutschlandkarte eingearbeitet, die sich detailliert absuchen lässt. Etwa 187.000 Mal ist die App auf Smartphones installiert worden, die Nutzer übermittelten bisher etwa 160 Millionen Messpunkte.

Digitale Agenda kw44 / 2019

 

Gaia X

Europa soll eine eigene Cloud-Infrastruktur bekommen. Wirtschaftsminister Altmaier stellte seine Pläne für Gaia X auf dem diesjährigen Digitalgipfel vor. 

Die Reaktionen der IT-Wirtschaft sind gemischt. Während deutsche Industrieverbände wie Bitkom und eco eine Stärkung der digitalen Souveränität sehen, prophezeit Microsoft, dass das Projekt nicht erfolgreich sein wird.  

Die Motivation ist klar, die Umsetzung nicht, kommentiert die ZEIT, denn zum jetzigen Zeitpunkt scheint Gaia X nicht viel mehr als ein Konzept zu sein, dem sogar die Trägerorganisation fehlt. 

 

Digitales Leben

Die Preise für private 5G-Netze stehen fest, und sie sind moderat ausgefallen. Sogenannte Campusnetze sind bei der Produktentwicklung und für landwirtschaftlichen Anwendungen wichtig.

Twitter verbietet politische Werbung. Während Facebook weiterhin auch für politische Werbung voller Lügen die Hand aufhalten will, verbannt sie Twitter komplett. Das ist gut so und besser als ständig herumzueiern.

Bundesregierung will bei der Mobilfunkversorgung helfen. Um wenigstens ein flächendeckendes 4G-Netz zu erreichen, sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Der Ausbau des 5G-Netzes könnte sich aber verzögern, denn der BND hält Huawei für nicht vertrauenswürdig.

Facebook verklagt israelische Firma wegen Spionage. Die NSO Group hatte WhatsApp dazu benutzt, um Spähsoftware zu installieren, auch auf Handys politischer Dissidenten in Ländern wie Saudi-Arabien. 

Microsoft darf die Pentagon-Cloud bauen. Beim Wettbewerb um das 10-Milliarden-Projekt JEDI des US-Verteidigungsministeriums ging Favorit Amazon überraschend leer aus. 

Wikipedia-Gründer will Alternative zu Facebook bauen. WT:Social soll ohne Werbung auskommen und kollaborativer funktionieren.

 

Zu guter Letzt …

Happy 50th Birthday, Internet! Vor 50 Jahren wurde die erste Nachricht über das Netz verschickt, das heute Internet heißt, und es war eigentlich ein Militärprojekt. Wie es wohl wäre, wenn es heute kein Internet gäbe?

Digitale Agenda kw43 / 2019

 

Quantum Supremacy

Google demonstriert Quantenüberlegenheit. Googles Prozessor löste innerhalb von 200 Sekunden ein mathematisches Problem, für das ein heutiger Supercomputer 10.000 Jahre brauchen würde. Für Google-Chef Sundar Pichai ist das ein Durchbruch wie einst der Erstflug der Gebrüder Wright.  

Wie ist dieser Durchbruch einzuordnen? IBM widersprach dem Vergleich mit dem Supercomputer, erkannte aber die Leistung an. Wissenschaftler sehen darin ein Experiment ohne praktischen Nutzen, das aber sehr wohl die Wissenschaft weiterbringt. 

Was genau mit „Quantenüberlegenheit“ gemeint ist, erklärt Prof. Frank Wilhelm-Mauch im Heise-Podcast. Adrian Kreye mahnt in der SZ, Potenzial und Gefahren der Quantentechnologie früh genug öffentlich zu diskutieren.

 

Digitales Leben

Strengere Regeln für Daten und Algorithmen fordert die Datenethikkommission der Bundesregierung in ihrer ersten Stellungnahme. Die Reaktionen fallen gemischt aus. Zivilgesellschaftliche Organisationen begrüßen den Bericht, die Industrie warnt vor „Regulierungswut“ und einem „analogen Inselstaat“.

Wie Phishing über Alexa & Co. geht, demonstrierten Berliner Sicherheitsforscher über Apps, die sie in Amazon Echo und Google Home installierten. Einen Ruf als Wohnzimmerwanzen haben Smart Speaker bereits. 

Ein sehr eigenes Verständnis von Wahrheit demonstrierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg im US-Kongress.  Auch die Verteidigung seiner Kryptowährung Libra kam nicht besonders überzeugend rüber.

Firefox will Nutzern ihre Privatsphäre zurückgeben. In der Gunst der Nutzer Kann der Open-Source-Browser längst nicht mit Google Chrome mithalten, dafür ließ sich Mozilla einiges gegen Tracking einfallen. 

Wie deutsche Firmen ihre Mitarbeiter überwachen, schildert ein Bericht auf Netzpolitik. Beschäftigte sind rechtlich nicht grundsätzlich vor Videoüberwachung geschützt und Strafen gegen Firmen sind selten.

 

Zu guter Letzt …

In München entsteht eine Fabrik für Flugtaxis. Hersteller Lilium stellt gerade hunderte Fachkräfte ein und will 2025 in die Massenproduktion gehen. Konkurrent Volocopter aus Bruchsal demonstrierte sein Flugtaxi neulich in Singapur und will dort bereits 2021 mit kommerziellen Flügen starten.