Digitale Agenda kw33 / 2017

 

Digital gegen Rechtsterror

Trumps halbherzige Verurteilung der Neonazis (Spiegel), aus deren Kreis der Attentäter von Charlottesville stammt, haben die digitale Welt zu einer Reihe drastischer Maßnahmen veranlasst:

  • Kein US-Provider will mehr die rechte Hassplattform Daily Stormer hosten, die das Opfer von Charlottesville nachträglich verunglimpft hatte (Zeit).
  • Airbnb hat die Accounts von Ultrarechten gelöscht, die Zimmer für ihren Aufenthalt in Charlottesville gebucht oder zur Verfügung gestellt hatten (Zeit).
  • Trumps Beratungsgremien für Industriepolitik und Produktion mussten aufgelöst werden, weil die meisten CEOs aus Protest austraten (FAZ).
  • Facebook, Paypal, Spotify und andere Tech-Firmen werfen Radikale und ihre Inhalte systematisch von ihren Plattformen (Spiegel).

Die Konzerne überschreiten damit deutlich die eigenen Prinzipien, die Meinungsfreiheit auf ihren Plattformen zu schützen. Als Privatunternehmen können sie sich diese Art von Zensur leisten – was wiederum interessante Fragen aufwirft (Süddeutsche).

 

Digitale Welt

Facebook will das bessere Ebay werden. Auf Facebook Marketplace, das jetzt in Deutschland startet, können Nutzer Dinge zum Verkauf anbieten. In den USA gibt’s sogar einen eigenen Bezahldienst, über den sich Nutzer auch gegenseitig Geld überweisen können (FAZ).

Die US-Justiz will Trump-Gegner ausforschen und hat beim Provider Dreamhost die Namen, Telefonnummern, E-Mail- und IP-Adressen von 1,3 Millionen Besuchern einer regierungskritischen Seite angefordert (Zeit).

Deutschland lahmt bei der Digitalisierung, finden deutsche Firmenchefs. In einer Umfrage attestierten sie der Bundesregierung „Zwei Schritte vor, einen zurück“. Insbesondere Breitband-Ausbau lasse zu wünschen übrig (FAZ).

Einen Schaden von 300 Millionen Dollar soll die weltgrößte Reederei Møller-Mærsk durch die letzte Welle von Erpressersoftware erlitten haben, sagen Experten. Der Angriff habe wochenlang für Unterbrechungen in der Container-Schifffahrt gesorgt (Spiegel).

Das ultimative Verschlüsselungsproblem will ein deutscher Mathematiker gelöst haben. Wenn seine Theorie stimmt, könnten Computer bestimmte Probleme viel schneller lösen. Ein Konkurrent wettet 200.000 Dollar, dass die Theorie nicht stimmt (FAZ).

 

Zu guter Letzt …

Unabsichtlich zu Protagonisten einer Reality-Show werden viele Chinesen, wenn sie sich im öffentlichen Raum und in Geschäften bewegen. In China boomen Livestreams von Überwachungskameras – ohne dass die Gefilmten etwas davon mitbekommen (Süddeutsche).