Digitale Agenda kw35 / 2021

 

Lobbyismus

Die Tech-Branche ist Lobbyismus-Spitzenreiter. Einer neuen Studie von LobbyControl zufolge lässt sich die Digitalbranche ihre Bemühungen um politische Einflussnahme in Brüssel jährlich fast 100 Millionen Euro kosten.

Spitzenreiter ist Google. Dem Konzern ist die Mitsprache an der EU-Politik 5,75 Millionen im Jahr wert. Google investiert dafür fleißig in Europa, zuletzt eine Milliarde allein in Deutschland. 

Machtbegrenzende Maßnahmen sind seitens der EU eher selten und ob der neue Digital Services Act tatsächlich etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Um einiges aktiver sind einzelne Länder, diese Woche z.B. die USA, Irland und Südkorea.

 

Digitales Leben

Windows 11 kommt am 5. Oktober. Allerdings wird es im ersten Release nicht alle Funktionen enthalten, die im Vorfeld angekündigt wurden, darunter Android-Apps. Dafür sind die Systemvoraussetzungen sehr hoch. 

EuGH will Netzneutralität sicherstellen. Die sogenannten Zero-Rating-Angebote von Telekom und Vodafone sind nicht mit der EU-Verordnung zur Netzneutralität vereinbar, urteilte der Europäische Gerichtshof.

Telekom zieht den Stecker bei De-Mail. Per Gesetz wurde 2011 De-Mail als sicheres E-Mail-Verfahren für die Kommunikation mit Behörden eingeführt. Es wurde nur von wenigen Bürgern genutzt.

Apple mit digitalem Ausweis und Satellitenfunk. US-Bürger werden demnächst ihren Führerschein im Wallet ablegen können. Außerdem sollen Notrufe auch über Satellitenfunk möglich werden.

China geht gegen soziale Unsitten vor. Jugendliche sollen nur noch drei Stunden pro Woche online spielen dürfen. Der 996-Arbeitsmodus (von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, 6 Tage die Woche = 72 Stunden) wurde als illegal erklärt.

 

Zu guter Letzt …

Das hübsche Gesicht des Medizinschwindels kommt vor Gericht. Elizabeth Holmes‘ Start-up Theranos versprach, mittels ein paar Tropfen Blut alle möglichen Krankheiten diagnostizieren zu können. Wir warten immer noch darauf.

Digitale Agenda kw34 / 2021

 

Wahlkampf

Der Wahlkampf findet dieses Jahr digital statt. Angesichts erneuter Einschränkungen konzentrieren Parteien ihre Werbung auf traditionelle Medien und soziale Netzwerke. Der Spiegel hat die Werbestrategien der Parteien auf Facebook, YouTube & Co analysiert.

Was die Parteien im Bereich Digitales anzubieten haben, hat die Stiftung Neue Verantwortung analysiert (Zusammenfassung auf Netzpolitik.de). 

Wer die Programme ungefiltert lesen will: Hier geht’s direkt zu CDU und CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Freie Wähler.

 

Digitales Leben

Massenüberwachung: Regierung speilt auf Zeit. Die Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), wonach Massenüberwachung nur unter Einhaltung von Regeln stattfinden darf, lässt lange auf sich warten. 

Google-Tochter lässt Robotertaxis in San Francisco fahren. Es ist bereits die zweite Stadt in den USA, in der Waymo den Regelbetrieb mit selbstfahrenden Autos aufnimmt, vorerst jedoch zur Sicherheit mit einem menschlichen Begleiter. 

Biden nimmt Tech-Giganten in die Pflicht. Der US-Präsident berief einen Tech-Gipfel mit den Chefs von Apple, Microsoft, IBM und Amazon, um mit ihnen die steigenden Gefahren für die Cybersicherheit zu diskutieren. 

Abmahnungen auf Open-Source-Lizenzen. Auch die Nutzung von Inhalten, die unter Creative Commons-Lizenzen genutzt werden, kann abgemahnt werden, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden. 

Amazon AWS baut eigenen Quantencomputer. Der Cloud Computing-Marktführer hat hierfür ein eigenes Entwicklungsteam angeheuert, dessen Leiter auch schon ein Max-Planck-Institut geleitet hat.

 

Zu guter Letzt …

OnlyFans – alles Porno, oder was? Ende letzter Woche kündigte die Content-Plattform an, ab Oktober keine Inhalte mit „explizit sexuellem Verhalten“ mehr anzubieten. Der Grund: Banken und Kreditkartenbetreiber hatten etwas dagegen. Das Problem: Die Plattform ist Heimat für Tausende unabhängiger Sexworker. Die Lösung: Öffentlicher Druck brachte die Banker dazu, ihre Entscheidung zu revidieren.

Digitale Agenda kw33 / 2021

 

Gegenwind für Apple

Ob Apple mit so viel Widerstand gerechnet hat? Jedenfalls stößt seine Entscheidung, ab Herbst die Geräte der Nutzer nach heiklen Bildern zu scannen, auf eine Mauer der Ablehnung. 

Apple verteidigt seine Entscheidung und beteuert, der Mechanismus sei sicher, doch der Vorwurf des Tabubruchs bleibt im Raum. 

 

Digitales Leben

Neuer Anlauf zur Zerschlagung von Facebook. Die erste Kartellklage scheiterte an Formalien, doch die US-Kartellbehörde will es noch einmal wissen.  

Innenministerium bremst Überprüfung von Luca aus. Hessen wollte die Check-In-App auf ihre Sicherheit hin testen lassen, doch das BSI untersteht dem Innenminister – und der will nicht.

Dürfen die Taliban Social Media nutzen? WhatsApp sagt nein und sperrt deren Notrufnummer in Kabul. Die Taliban wiederum wollen Facebook, YouTube und TikTok in Afghanistan sperren. 

China will Videospiele zeitlich begrenzen. Nachdem die politische Führung scharfe Kritik ausgeübt hatte, schränkte Tencent die Spielzeit für Teenager auf zwei Stunden pro Tag ein. 

Wer soll Digitalkonzernen auf die Finger schauen? Das kommende Digitale-Dienste-Gesetz der EU braucht einen Oberaufseher und die Casting Show ist bereits voll im Gange.

 

Zu guter Letzt …

Tesla bringt humanoiden Roboter auf dem Markt. Er ist 1,73 Meter groß und 58 Kilogramm schwer. Außerdem soll er langsam genug sein, dass man ihm davonlaufen kann, sollte er mal schlecht gelaunt sein.

Digitale Agenda kw32 / 2021

 

Apples Bilder

Apple will Fotos der Nutzer nach Kinderpornos scannen. Die Scans sollen auf den Endgeräten der Nutzer auf Basis von Hash-Werten durchgeführt und mit denen einer Kinderschutzorganisation verglichen werden.

Apple erntet dafür viel Kritik. So nahvollziehbar das Anliegen ist, baut Apple damit eine Infrastruktur der Überwachung und Zensur, sagen US-Bürgerrechtler. Das Unternehmen setze falsche Prioritäten und öffne eine Büchse der Pandora.  

Apple verteidigt seine Pläne und versucht, Bedenken zu zerstreuen, auch intern, kann sich aber eine Ausweitung der Maßnahme auf Apps von Drittanbietern vorstellen.

 

Digitales Leben

Cookie-Banner-Beschwerde gegen 422 Firmen. Nach einer Warnung an die Firmen selbst will die Organisation des „Facebook-Schrecks“ Max Schrems formale Beschwerden bei zehn Datenschutzbehörden einreichen.

Krypto-Börse werden 600 Millionen Dollar geklaut. Das Opfer, eine Tauschbörse namens Poly Network, bat die Hacker im Nachgang, das Geld wieder zurückzugeben. Tatsächlich waren bis gestern 342 Millionen wieder auf dem Konto.  

Bücher können Schadsoftware übertragen. Einem israelischen Forscher gelang es, einen Amazon Kindle zu infizieren. Im Ernstfall könnte ein Angreifer den Amazon-Account des Besitzers manipulieren, den Reader in einen Bot verwandeln und andere Geräte attackieren.

Die Überwachung braucht langsam eine Gesamtrechnung. Die Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach einer Übersicht wird von der Politik seit Jahren ignoriert. Das Max-Planck-Institut hat en Konzept für ein Überwachungsbarometer erstellt. 

Google will Homeoffice-Tarife einführen. Homeworker sollen bis zu 25 Prozent weniger verdienen, ergab eine Auswertung geleakter interner Dokumente. Googles Produktivität hatte durch den Lockdown massiv gelitten.

 

Zu guter Letzt …

Leben Jugendliche bereits im Metaverse? Dank Homeschooling sind sie durchschnittlich 70,4 Stunden pro Woche online. Die Vision mancher Tech-Oligarchen wie Mark Zuckerberg von einem vollständig digital simulierten Leben rückt damit erschreckend nah.